Freitag, 18. Januar 2008

Botswana-Sambia: Die Planung für 2008

BOTSWANA
23. Juni 08 -
Ankunft in Maun, Übernachtung im Audi Camp
24. Juni 08 - Fahrt nach Kaziikini, Übernachtung Campsite
25. bis 28. Juni 08 - Moremi GR, diverse Campsites, evtl. auch Overnight-Boattrip mit der Mankwe Lodge
NEIN, schade, hier haben wir leider ein Problem! Die Bootstrips sind ausgebucht und wir haben für die Nacht von 26.6. auf den 27.6. keine Reservierung für eine Moremi-Campsite bekommen. Was da bedeutet: wir fahren rein, übernachten auf der South Gate Site, müssten für die nächste Nacht raus, um in der übernächsten dann auf der North Gate Site zu campen. Wäre toll, wenn sich jemand fände, der vom 26. auf den 27. eine Reservierung ergattert hat, der sich unser erbarmt (natürlich gegen Bezahlung) und mit uns seine Site teilt. Wir sind 4 Personen mit einem Auto und 3 Zelten - und wir sind ruhig und gehen früh schlafen...
28. Juni 08 - Khwai Community Campsite
29. bis 30. Juni 08 - Chobe, Savuti Campsite
01. Juli 08 - Linyanti Campsite
02. Juli 08 - Chobe, Ihaha Campsite

SAMBIA
3. bis 4. Juli 08 - Livingstone mit Besuch der Victoria Falls
5. bis 6. Juli 08 - Lochinvar National Park
7. bis 9. Juli 08 - Lower Zambezi National Park
10. Juli 08 - Lusaka
11. Juli 08 - Mkushi
12. bis 13. Juli 08 - Kasanka National Park
14. Juli 08 - Lake Waka Waka
15. bis 16. Juli 08 - Bangweulu Swamps, Shoebill Island Camp
17. Juli 08 - Samfya
18. bis 19. Juli 08 - Lumangwe Falls
20. bis 21. Juli 08 - Ndole Bay via Mweru Mantipa NP und Sumbu NP
22. bis 24. Juli 08 - Isanga Bay Lodge (Kundalila Wasserfälle, Mpulungu, Lake Tanganjika)
25. bis 26. Juli 08 - Mutinondo Wilderness
27. bis 30. Juli 08 - South Luangwa NP via Escarpment Road; Übernachtung Wilderness Camp, Autosafaris, Walking Safari
31. Juli 08 - Old Petauke Road, Bridge Camp am Rande der Great East Road
01./02. August 08 - Puffertage; Lusaka
03. August 08 - Heimflug

Samstag, 8. Dezember 2007

Reisebericht Botswana-Sambia: 27. April – 22.Mai 2007

Die Vorgeschichte zu Reise 16

Afrika ist wie ein Magnet, der mich ständig anzieht. Wenn irgend möglich, gebe ich dieser Anziehungskraft einmal im Jahr nach. Für 2007 hatte ich noch keine konkreten Pläne und ich wusste auch nicht so recht, mit wem ich fahren sollte. Meine langjährige Reisepartnerin, mit der ich schon viele Touren unternommen hatte, war ausgefallen, ganz alleine wollte ich nicht und eine Gruppenreise war nicht wirklich nach meinem Geschmack. Zwar hatte ich mich näher mit Äthiopien-Touren beschäftigt, aber nichts nach meinem Gusto gefunden. Entweder waren die Touren fast rein auf Kultur ausgerichtet, was auch das heftige Bestaunen „Eingeborener“ beinhaltet oder sie stellten sich sehr trekkinglastig dar. Beides nix für Mutters Jüngste. Die Vorstellung, drei Wochen mit einer Horde kulturbeflissener Dr. Schönfärbers, Ethno-Voyeuren oder gemsenartiger Uphill-Asketen unterwegs zu sein, brachte mich ganz schnell wieder von dieser Idee ab. Aber es war ja noch früh im Jahr, meine geplante Reisezeit der Herbst und bis dahin würde sich schon noch was ergeben.

16. Februar: Meine Freitag-Abend-Verabredung hatte mich versetzt und angesichts der unverhofft freien Zeit wendete ich mich meinem nächsten Projekt zu, den Reisepartnerbörsen im Internet. Von diesen gibt es, wie ich lernen durfte, verschiedene Kategorien, in denen sich sehr unterschiedliche Spezies tummeln. Vom sich jüngermachenden Lustgreis, der blondes Knackfleisch für sein Luxusdomizil an der Cote d’Azur sucht über rastalockige Fast-Noch-Kinder, die sich für kiffende Kumpel auf Koh Phangan interessieren bis hin zu aufgestrapsten Jungsusies, die sich nicht allein nach Malle trauen, ist hier alles zu finden. Fast wollte ich schon entmutigt aufgeben, als mir da was ins Auge sprang. Ein Münchner Ehepaar (Annette und Joachim Louis, www.africa-wildtours.com) mit eigenem Landy in Windhoek suchte für eine dreieinhalbwöchige Botswana- und Sambia-Zelttour noch Mitreisende. Der Tourverlauf, die Reiseart und der private Charakter – mit maximal 4 Mitreisenden würde auch ich mich committen können – sagten mir derart zu, dass ich sofort eine „Bewerbung“ per E-Mail vom Stapel ließ. Am Samstag hatte ich positive Antwort, am Mittwoch ein Treffen mit Annette, Joachim und den beiden anderen Mitreisenden, am Donnerstag die Flüge in der Tasche und zwei Monate später saß ich im Flieger, auf dem Weg zu meiner 16. Afrikareise.
Alle Bilder © Bariez.com, Bilder © Louis sind separat aufgeführt

Die Reiseroute im Überblick

27. April
Ankunft in Windhoek, Übernachtung Campsite Ondekaremba
28. April–30.April
Grenzübertritt nach Botswana, Fahrt ins KD I (KAA Kalahari Concession Area), Erkundungsfahrten
30. April–3. Mai
Kalahari Transfrontier Park, Mabuasehube Section, Mabuasehube Pan, Lesholoago Pan, Bosobogolo Pan
3. Mai

Fahrt nach Ghanzi, Übernachtung
4. Mai– 6. Mai
Maun, Audi Camp, Versorgungs- und Relaxstopp, Mokorofahrt und Walking Safari Okavango Delta
7. Mai–10. Mai
Moremi Wildlife Reserve, Third Bridge, Xakanaxa, North Gate
10. Mai–11.Mai
Chobe National Park, Savuti
12. Mai
Chobe NP, Linyanti
13. Mai
Chobe NP, Ihaha
14. Mai–16.Mai
Grenzübertritt nach Sambia, Livingstone, Besuch der Vic Falls, Übernachtung Maramba Lodge
17. Mai
Grenzübertritt nach Namibia, Popa Falls
18. Mai
Fahrt Richtung Windhoek, Übernachtung Farm bei Otavi
19. Mai
Ankunft Windhoek, Übernachtung Campsite Ondekaremba
20. Mai
Flug nach Johannesburg
20.–22. Mai
Frieren, Shoppen und Abhängen in Johannesburg, Heimflug

27. April 2007 – Ankunft

Frühmorgendliche Ankunft in Johannesburg und ich betrat zum ersten Mal nach 8 Jahren wieder südafrikanischen Boden. Die letzten Jahre hatte ich das Land gemieden, weil mir dessen steigende Reisepopularität und das daraus resultierende zunehmende Neckermanngewimmel einfach zu viel wurden und mich statt dessen auf Ostafrika konzentriert. Ich staunte nicht schlecht: der ehemals fast provinziell anmutende Jan Smuts International Airport war zu einer eigenen kleinen Stadt namens OR Tambo mutiert. Ein supermoderner Riesenkomplex in Hochglanzoptik, an dem immer noch eifrig gebaut wird - in freudiger Erwartung der Fussball-WM 2010. Schön anzusehen, aber die Logistik funktionierte leider noch nicht so ganz und tut’s wohl immer noch nicht. Gott sei Dank hatte ich mit 5,5 Stunden eine reichlich bemessene Umsteigezeit. Die Immigration ging flott vonstatten, aber mein Gepäck hatte ich erst zweieinhalb Stunden nach Ankunft in der Hand. Doch immerhin war es da, ein wunderbares Gefühl besonders dann, wenn man schon mal das Vergnügen hatte, vier Wochen Zelturlaub OHNE eigenes Gepäck verbringen zu dürfen. Also freute ich mir die verbleibende Wartezeit kurz und enterte alsbald den Flug nach Windhoek, wo mich Annette und Joachim herzlich in Empfang nahmen. Wir fuhren zur Ondekaremba Farm, wo das Lager für die Nacht bereits aufgeschlagen war. Ein spannendes Gefühl, dreieinhalb Wochen Afrika mit zwei bzw. drei Personen vor sich zu haben, die man erst ein einziges Mal gesehen hat. Spannend, aber nicht unangenehm!

Prickelnd auch das Gefühl, wieder in Afrika zu sein, wenngleich es für die erste Nacht „nur“ Namibia ist, dem nicht meine große Liebe gehört (Namibia-Fans mögen mir verzeihen). Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich das Deutsche in Tun, Gebaren und akzentfreier Sprache dort hält und, das muss ich gestehen, es befremdet mich ganz arg, Kolonialgeschichte hin oder her. Auch die Ondekaremba Farm gehört Ex-Deutschen, die die duitse taal praaten, als wären sie gerade erst vor drei Monaten ausgewandert. Der eine mag’s, der andere nicht, so ist es halt.

Wir bekamen vom deutschen Gen Namibias auch erst mal nicht viel mit, denn wir nächtigten auf der neu errichteten Campsite 2, direkt am Ufer eines Trockenflusses, weit weg von den Lodgegästen und deren Beherbergern. Als die ersten Bewohner dieser neuen Campsite durften wir den Wasserhahn und die Braaistation einweihen, den frisch geharkten Sand mit unserem Begleitgepäck und den Zelten entweihen. Die Klo- und Duschhäuschen waren noch im Bau, somit also nicht benutzbar. Solange noch Tageslicht herrschte, konnte man den 5-Minuten-Weg über die fast jungfräulichen Brückenbohlen, das gepflegte Bushland durchquerend, hinüber zum Klo der Campsite 1 noch auf sich nehmen, aber bei einbrechender Dämmerung war dann doch einem nahen Gestrüpp der Vorzug zu geben. Ganz nach meinem Geschmack, das Gestrüpp, den offenbar auch Annette und Jochen uneingeschränkt teilten. Ein guter Anfang. Wir verbrachten unseren ersten gemeinsamen Abend plaudernd am Lagerfeuer, wärmten uns kennenlerntechnisch von vorne auf, während die Körperrückseite zusehends abkühlte. Ist halt doch arschkalt im beginnenden namibischen Winter... Gegen 22.00 Uhr krochen wir dann fröstelnd in unsere Stoffhäuschen, kuschelten uns ein und schliefen unserer Tour entgegen.

28. April – Windhoek-Richtung KD1

Es war echt frisch die Nacht, so um die 5 °C, und ich hatte länger gebraucht, mich auf meiner Matte, in meinem Schlafsack so hinzudrapieren, dass mir nicht kalt war. Danach war alles gut. Nicht weiter verwunderlich, denn ich bin ein Stein-Schläfer-Typ; man könnte neben mir eine Bombe zünden und ich würde wahrscheinlich nicht mit einer Wimper zucken. Viel erstaunlicher ist das: zuhause bin ich ein Nachtlicht, gehe spät ins Bett und quäle mich aus selbigem, um wochentags pünktlich um 11 Uhr im Job zu erscheinen. Am Wochenende kann ich, wenn nichts zu Erledigen ansteht, problemlos bis 15 Uhr durchschlafen, ohne auch nur einmal aufzuwachen. Sobald ich ein Bein auf den afrikanischen Kontinent setze, ist das anders. Die Abend-Dämmerung ist keine, wie man sie bei uns kennt – die Sonne macht schwupp, weg ist sie und es ist stockfinster. Und schon habe ich den Drang, mich in meinen Schlafsack zu püscheln. Schwupp, kaum ist die Morgendämmerung da, muss ich raus; ekelhaft gut drauf und ohne die geringste bettschwere Wehmut.

So treffen wir drei uns des Morgens wieder am Aluminium-Klapp-Tisch (eigentlich hätte ja noch ein weiterer Mitreisender mit uns dort sitzen sollen, doch Daniel konnte leider wegen einer akuten, schweren Krankheit nicht dabei sein). Gemütliches Frühstück in der frühen Morgensonne, die nach der furzkalten Nacht so wohlig wärmt, Zelte abbauen, alles ordnen, verstauen und rein in den Landy, um uns auf den Weg nach Botswana zu machen. Mich zerreißt es fast vor Vorfreude! Doch gemach, gemach. Es ist ein weiter Weg, den wir uns heute vorgenommen haben und es sind noch ein paar existentielle Besorgungen wie Klopapier, Tee, Spülmittel, Chilisauce, Wein und Bier zu machen. Es ist Samstag und wir haben 2 Möglichkeiten: 40 km zurück nach Windhoek oder straight ahead und auf dem Weg einkaufen?

Wir entscheiden uns für letzteres, denn da sind noch ein paar Käffer auf der Strecke zum Grenzübergang; Gobabis ist das größte davon. Könnte allerdings sein, dass dort schon alles closed ist, wenn wir Mittags rum ankommen. Aber da sind ja noch mehr Orte on the way, nur, ob es dort einen Shop gibt, steht in den Sternen. Wer Namibia-Karten kennt, weiß, wovon ich spreche: es gibt Orte, die bei uns unter die Rubrik „Einöd“ fielen und allenfalls auf 1:50.000-Karten vermerkt wären, nicht aber auf auf einer im Maßstab 1:1.000.000. Anders in Namibia. Da sind Ortschaften ein rares Gut, folglich wird jede akribisch vermerkt. So ein Ort ist Witvlei und wir halten dort an, um zumindest das Wichtigste vom Wichtigen zu erwerben, bevor uns in Gobabis eventuell der Supermarkt vor der Nase zumacht. Schon beim Reinfahren sehen wir, dass wohl der ganze kleine Ort auf Achse ist. Der eine Teil der Bevölkerung auf einer Beerdigung, der andere auf einer Hochzeit. Ein paar Ortsbürger waren offenbar nicht eingeladen worden und können uns den Weg zum örtlichen Shop beschreiben, der sogar offen hat und besetzt ist. 2 Rollen Klopapier, Spülmittel, Tee und ein paar Bier, mehr bekommen wir nicht und haben doch fast den Shop leer gekauft. Bei unseren Einkäufen assistiert uns, völlig unnötig, eine örtliche Saufnase in der Hoffnung ein Bier spendiert zu bekommen. Bevor wir uns streiten, verbuchen wir den Beistand einfach unter namibischer Freundlichkeit und übereignen dem armen Schlucker eine Flasche Gerstensaft, was ihn übers ganze Gesicht strahlen lässt.


Wir düsen weiter nach Gobabis, wo tatsächlich noch alle Geschäfte offen haben, erledigen die Resteinkäufe und erreichen wenig später perfekt ausgestattet die Grenze nach Botswana. Die Grenzbeamten sind uns wohl gesonnen, so dass die Formalitäten schnell erledigt sind. Endlich sind wir in Botswana und ich bin so beglückt darüber, dass ich zur Feier einen „early click“ machen muss. Diesen Begriff haben meine Freundin Ute und ich geprägt und er bedeutet nichts anderes, als weit VOR Sonnenuntergang eine Dose Bier zu öffnen und natürlich auch auszutrinken. Ganz im Gegensatz zu dem so beliebten Sundowner, der BEI Sonnenuntergang stattfindet.

Das Auto bekommt natürlich auch noch eine Betankung, bevor wir bei Charles Hill auf die Gravel Road Richtung KAA und somit in dieselfreies Gebiet abbiegen. Wir fahren, soweit uns die Reifen rollen und es noch einigermaßen hell ist. 20 km vor Kule schlagen wir uns links in die Büsche und errichten das Nachtlager. Nach dem Abendessen drapieren wir uns gemütlich im Halbkreis ums Lagerfeuer und beobachten den Verkehr. Etwa alle halbe Stunde kommt ein Auto vorbei; diese Frequenz ist noch deutlich zu hoch und wir freuen uns schon auf morgen, auf die wahre Einsamkeit.
Bild 2 © Louis

29. April – KD1 – Masetleng Pan

Früh raus, Frühstück, weiter geht’s. Wir passieren Kule, Ncojane, ein paar Viehkraals und fremdenfeindliche Hunde, bis alsbald die sehr gut zu befahrende Gravel Road abrupt in eine Sandstraße übergeht. Die ist dann nicht mehr ganz so kommod, aber noch lange keine 4x4-Herausforderung.




Bald darauf erreichen wir den offiziellen Eingang zum KD1, der sich lediglich durch ein Schild zu erkennen gibt. Niemand will Geld, kein Mensch kontrolliert uns, auch nicht als wir die letzte Siedlung, Ukhwi, passieren. Jetzt wird es richtig einsam, so einsam, dass sogar Hasen tot umfallen, wenn sich ein Auto nähert. Bis heute wissen wir nicht, was wirklich passiert ist, aber es wäre zumindest eine einigermaßen plausible, wenn auch immens dichterische Erklärung für das leblose Langohr: die Straßenführung ist sehr gerade, das Gelände übersichtlich und wir sehen schon einige Zeit vorher, dass da was ist. Könnte auch ein Schatten oder ähnliches sein, denn es bewegt sich nicht, als wir näher kommen. Auch nicht, als wir direkt daneben anhalten. Es ist ein Hase, dahingestreckt im vollen Lauf, die Augen klar, der Körper ohne sichtbare Verletzungen und nicht eine Fliege auf dem Kadaver. Wir staunen sehr, vergessen dabei, ein Foto zu machen und fahren philosophierend weiter.

Alsbald überkommt uns der Hunger und die Küche in Form von zwei Kisten, einer Gasflasche und eines zweiflammigen Herdes wird da errichtet, wo es am sichersten ist. Am sichersten vor ungebetenem Gekräuch, sprich Schlangen, und ungewolltem Funkenflug, der rasch das trockene Gras in Brand setzen würde – auf dem Mittelstreifen der Fahrbahn. Wenn denn ein Auto kommen sollte, wir würden es früh genug sehen und die Spur räumen können, aber es kommt natürlich keines.

Gestärkt tuckern wir weiter und erreichen die Western Woodlands, einen Landstrich, der fast märchenhaft erscheint in seiner unvermuteten Andersartigkeit. Man fährt durch wogendes Trocken-Grasland, dichtes Bushland und plötzlich, von einem Meter auf den anderen, tut sich ein Wald auf. Hochstämmige Akazien stehen in Gruppen umher wie tuschelnde Frauen, werfen ihre Schatten auf völlig unterwuchsfreien, niedriggrasigen Boden. Wir sehen die ersten Wildtiere – eine kleine Herde Hartebeests, diverse Greifvögel, Riesentrappen – und halten an, um die Magie der Umgebung zu genießen. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, in weiter Entfernung, eine Gruppe von Tieren davonlaufen. Da sind Hunde, rufe ich, denn das ist der Eindruck, den der Laufstil, die Formation bei mir wachgerufen hat. Annette hält geistesgegenwärtig mit der Kamera drauf, aber bis heute (das nächste Rätsel) können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob es wirklich Wildhunde waren. Alles deutet darauf hin, allein die Gewißheit fehlt uns, aber das macht gar nichts.

Wir fahren weiter und ein paar Kilometer nach unserem Stopp geht der feenhafte Akazienwald wieder in das übliche Bushland über, das alsbald den Blick auf unseren gedachten Übernachtungsort freigibt: die Masetleng Pan. Eine topfbodenflache kreisrunde Ebene, völlig ohne Bewuchs, die uns mit trotzig-weißem Auge aus der grün-beige-roten Landschaft entgegenstarrt. Eine typische Erscheinung für die Kalahari, deren Boden nicht nur aus durchlässigem Sand besteht. Überall gibt es da Vertiefungen, in denen sich bei Regenzeit das Wasser sammelt, hält, Salze herauslöst und wieder verdunstet. Ergebnis sind die sogenannten Salzpfannen, gleißend weiß, betonhart, weitestgehend unfruchtbar und trotzdem bewohnt und durchquert von vielen Tieren, die deren Übersichtlichkeit zu nutzen wissen. Wir suchen uns am Rande dieses Miniatur-Kraters ein geeignetes Fleckchen zum Übernachten und gehen bald zu Zelt, denn es ist extrem kalt, nicht weit vom Gefrierpunkt entfernt. Heute gibt es auch keinen Verkehr zu beobachten; genau so, wie wir erwartet und gehofft hatten!

30. April - KD1, Mabuasehube

Wir sind alle recht gut ausgerüstet, aber heute Nacht war es so kalt, dass es fast unmenschlich erscheint, sich aus den mühsam angewärmten Schlafsäcken, Zelten und sonstig kuschligem Zubehör zu schälen. Doch wir sind in Afrika, unhaltbare Frühaufsteher mit unstillbarer Neugier, drückender Blase und ordentlich Tagesstrecke vor uns. Sie war toll, diese frostklare, einsame Nacht, begleitet von Schakalgeheul und vielen anderen Geräuschen, aber wir wollen weiter. Unser heutiges Ziel ist der KTP, genauer die Mabuasehube Section und da liegt noch einiges an Strecke vor uns. Genauer: Sandpad mit ordentlich Trockengras zwischen den Reifen.

Die Straße ist relativ gut zu befahren, wir wechseln immer wieder zwischen den zwei verfügbaren Spuren, mal hört die eine auf, mal die andere, nur eines bleibt: kühlergrill-hohes Gras zwischen der Radspur. Ein Spelzenschutznetz, gespannt vorm Grill, verhindert das Eindringen von Brennbarem in den Motorraum, doch auch unter dem Auto will hin und wieder kontrolliert werden. Da konzentriert sich einiges an Entflammbarem in diversen Nödel-Dödel-Dreh- und Kardan-Wellen, was von fachkundiger Joachim-Hand entfernt wird. Somit werden wir nicht in Flammen aufgehen; brennen darf nur unsere Leidenschaft für Afrika!

Gegen Mittag dann erreichen wir Hukuntsi, sozusagen das Tor zum KPT, tanken nochmal auf, lassen die Zivilisation samt der letzten Meter Teerstraße hinter uns und biegen auf die Tiefsandstrecke, die uns 140 km später durchgeschüttelt und verstaubt am Mabuasehube Gate wieder ausspuckt. Rasch sind die üblichen Formalitäten erledigt und wir kommen am sehr späten Nachmittag endlich auf unserer gebuchten Campsite an der Monamodi Pan an. Dort aber hat sich leider schon eine Gruppe lärmender Südafrikaner breit gemacht und den obligatorischen Ausrüstungswahnsinn überall verteilt. Sie erklären uns gespielt-bedauernd, sie hätten auch eine Buchung für diesen Platz. Schuld an dieser angeblichen Doppelbuchung seien die Schwarzen, die die Reservierungen handlen, erklären sie uns. Schon recht, ihr Burengschwerl, denken wir uns und ziehen einfach auf die zweite Campsite, die allerdings weder Klo noch Dusche zu bieten hat. Und komisch, dort steht noch niemand...

Doch was soll’s, wir lassen uns die Laune nicht verderben, läuten den Abend mit einem Sundowner-Castle ein und fahren runter an die Pan. Viel allerdings tut sich da nicht. Ein paar Täublein und andere Vögel an der Tränke, einige Springböcke, ansonsten ist es wie ausgestorben. Als es schon fast dunkel ist, hoppelt noch eine braune Hyäne über den Pfannengrund. Ein schönes Erlebnis, vor allen Dingen, weil es für uns alle das erste Mal ist, dass wir eines dieser seltenen, vom Aussterben bedrohten Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Eine Weile lauschen wir noch ihrem Lachen, das um einiges dreckiger klingt als das ihrer getüpfelten Kollegen, bevor wir den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen. Die benachbarten Südafrikaner kann man, der Entfernung der beiden Campsites sei Dank, kaum hören. Ein wenig enttäuscht sind wir dennoch alle, denn wir hatten uns Mabuasehube doch deutlich einsamer und unzivilisierter vorgestellt.
Bild 1 © Louis

1. Mai – Mabuasehube

Wir frühstücken gerade gemütlich, als die Südafrikaner im Konvoi durch unser Camp gefahren kommen, um sich generös von uns zu verabschieden. Tschüß auch! Nach dem Lagerabbau fahren wir los, mit vielen Schlenkern Richtung Lesholoago Pan, machen einen Abstecher zur Mpayathutlwa Pan, wo gestern, laut Besucherbuch, Löwen gesichtet wurden. Doch die sind leider schon weg, nur ihre relativ frischen Tatzenspuren entdecken wir noch. Mir bleibt fast das Herz stehen, als Annette aus dem Auto steigt und den Abdrücken entdeckungsfreudig hinter die nächste Buschgruppe folgt. Joachim scheint auch etwas irritiert, doch Annette hat Glück: hinter den Büschen sind lediglich noch mehr Büsche! Ein bisschen üppiger dürfte es faunatechnisch allerdings schon gerne sein; außer Schakalen und Springböcken läßt sich nicht viel blicken. Dafür ist die Landschaft wunderschön und als wir mittags an der Lesholoago Pan ankommen, steht niemand auf unserer Site, nur ein paar gschaftige Erdhörnchen demonstrieren, wer hier eigentlich wohnt.

Als wir anfangen, unser Mittagessen zuzubereiten, steigt ihr Interesse an uns. Auch der schattenspendende Baum, unter dem wir unseren Tisch aufgestellt haben, füllt sich zunehmend mit Gelbschnabeltokos, die uns scharf im Auge behalten. Und es wird jede Chance ergriffen, einer Gurkenschale oder sonstiger Krümel habhaft zu werden oder uns einfach nur von oben auf den Tisch zu kacken. Sobald wir geluncht haben, erlahmen sowohl Interesse als auch Darmtätigkeit deutlich. Am Pfannenrand erscheint eine Herde Springböcke, an die Joachim sich vorsichtig heranpirscht. Leider hat er eine laut raschelnde Hose an, da hilft das leiseste Schleichen nicht; die Springböcke machen ihrem Name alle Ehre und gummiballen ein paar Meter weiter. Eine Einzeloryx spaziert über die Pfanne, ansonsten geht der Nachmittag gemächlich vorüber.

Das mag sich total boring anhören, aber es ist alles andere als das! Wir thronen direkt am Pfannenrand, keine anderen Menschen weit und breit, der Blick kann schweifen, soweit das Auge reicht, die Ruhe ist Balsam für die Seele. Abends geht ein riesiger Vollmond hinter einem toten Baum auf, auf dem malerisch ein Greifvogel sitzt, die Sonne senkt sich farbenfroh hinter die einzige Akazie, der Wind des Tages legt sich, die Geräusche der Nacht sind zu hören. Kilometer weit weg, am anderen Pfannenrand, tasten sich Autoscheinwerfer durch die Dunkelheit, bleiben stehen, ein Lagerfeuer leuchtet irgendwann und wir wissen, das sind die, die auf der zweiten Lesholoago Campsite nächtigen - so habe ich mir Mabuasehube eher vorgestellt! Diese Glückseeligkeit nehme ich heute Nacht mit in mein Zelt.

2. Mai – Mabuasehube

Kurz vor sieben geht die Sonne da auf, wo gestern noch der Mond stand, taucht die Pfanne in warmes Licht und auch das einzelne Hartebeest, das über den Pfannengrund schlendert, genießt die wärmenden Strahlen. Es ist ein Bock und man sieht, dass er angespannt ist. Bald darauf taucht ein zweites Exemplar auf, fast als hätten sie sich verabredet, und es beginnt ein Duell unter Männern. Zwei Böcke, die mit festen Demonstrationsritualen ihren Standpunkt klar machen, um ihn dann im kurzen Kampf zu vertreten, immer wieder. Groundhorning nennt der Biologe das, was wir geboten kriegen. Ein Gegner kniet sich nieder, reibt seinen Kopf im Sand: Das will ich mit dir machen, Widersacher! Zu Boden mit dir, ich mach dich fertig! Der andere fühlt sich provoziert und schon scheppern die Gehörne aufeinander; man trennt sich, das Spiel geht von vorne los, der andere Bock provoziert. Nach Ewigkeiten des Kräftemessens geht einer der Böcke scheinbar desinteressiert aus dem Ring, der andere folgt ihm, als wäre nichts gewesen, doch bald schon hören wir wieder das Krachen aufeinanderprallender Schädel. Genau so stelle ich mir Frühstücksfernsehen vor!

Tage könnte ich hier noch aushalten, doch wir haben für die nächste Übernachtung eine andere Pan gebucht. Also nix wie hin, natürlich mit Schlenkern über andere Pfannen. Und es tun sich wieder Landschaftsbilder auf, die einfach nur unendlich weit, schnörkelreduziert und gigantisch schön sind. Ein paar Gauckler zieren den Himmel, ein paar Streifengnus schmücken die Landschaft - und mittendrin wir.



Mittags kommen wir voller Eindrücke an der Bosobogolo Pan an und werden dort von zahlreichen Tieren empfangen. Auf der Pfanne, in weiter Ferne stehen Oryxantilopen, an der Einfahrt zur Campsite wachen Erdmännchen und direkt auf dem Platz tummeln sich Tokos, Rotbauchwürger, Laubsänger, Erdhörnchen und Eidechsen. Nach einer sehr kurzweiligen Siesta brechen wir zur Abendrundfahrt um die Pfanne auf und landen nach wenigen Kilometern beinahe mitten in einer großen Oryxherde, die auf dem Weg zum Pfannengrund ist. Wir lassen die ganze Herde dieser majestätischen Tiere fast in Streichelweite an uns vorbeiziehen und genießen das Schauspiel. Ein pastelliger Sonnenuntergang beschließt diesen Traumtag, an dessen nächtlichem Ende wir auch noch von einem Löwen in den Schlaf gebrüllt werden.
Bild 1, 2 © Louis

3. Mai – Mabuasehube nach Ghanzi

Früh schon brechen wir heute unser Lager ab, denn unser Tagesziel ist das ca. 450 km entfernte Ghanzi; davon sind zwar 300 km geteert, aber auf uns warten ja zuerst mal die geliebten 140 km Sandpiste bis Hukuntsi. Kaum haben wir Mabuasehube verlassen, zahlt es sich aus, dass wir so zeitig dran sind: eine Kolonie Erdmännchen hält uns auf. Die wuseligen Kerlchen verschwinden in ihren Bauten, als wir uns nähern, aber ganz dreist parken wir direkt vor einem der Löcher. Minuten später treibt die Neugierde die Schleichkatzen wieder an die Oberfläche. Sie sind zum Greifen nahe und so putzig, dass ich sie anbeißen könnte.




Eine Pinkelpause beschert uns dann den Grund zur nächsten Verzögerung. Bei derartigen Verrichtungen kommt man, gerade als Frau, dem Boden recht nahe und dort läßt sich so viel entdecken, dass wir eine Extrastunde Studien der Kalahari-Botanik betreiben. Man gönnt sich ja sonst nichts!


Stunden später haben wir dann doch endlich die Sandpiste hinter uns gebracht und rollen weitestgehend erschütterungsfrei weiter nach Ghanzi, wo wir unsere Zelte im Thakadu Camp aufschlagen. Achtlos werfe ich ein Taschentuch in die hüfthohe Mülltonne unserer Campsite, woraufhin seltsame Geräusche aus deren Tiefen ertönen. Eine knopfäugige Rennmaus hat sich offenbar bei der Nahrungssuche verirrt und sitzt nun verängstigt zitternd neben meinem Taschentuch. Um das arme Tier nicht noch mehr zu stressen, schalte ich meine Taschenlampe aus und entlasse sie durch ein langsames Umlegen der Tonne in die Freiheit.

Nach dem Abendessen wartet das nächste Tiererlebnis auf uns. Ich sitze gerade auf den Stufen der campeigenen Barterrasse, als sich ziemlich unbekümmert ein Löffelhund nähert. Vor lauter Begeisterung muss ich ihn, völlig unsafarimäßig, anmäuseln. Flugs trabt er auf mich zu und schnüffelt an meinem ungewaschenen Knie. Ganz vorsichtig, mich schon deutlich wundernd über sein Verhalten und seine Figur, die einer prall gefüllten Wurst auf vier Schaschlikstäbchen ähnelt, halte ich ihm meine Hand zum Schnüffeln und Kennenlernen entgegen. Ein feuchtes, kühles, schwarzes Näschen drängt sich an meine Finger, die mutiger werden und das Schnäuzchen versuchsweise antupfen. Das Löffelhündchen darauf nicht ausrastet oder gar zuschnappt, sondern an mein Wadl stupst und meine Hand mit seiner Zunge liebkost. Annette kommt herbeigeeilt, fasst ihm beherzt ins Nackenfell, 12 Schweizer, die reichlich besoffen auf der Terrasse sitzen, werden auch aufmerksam und verscheuchen ihn dann, indem sie ganz erregt wuselnd auf uns zustürmen und lauthals kundtun, dass sich ein „Schakkall by dr blunda Frou“ befände. Diese Banausenhaftigkeit ist dem Löffelhund, völlig zurecht, einfach zu viel.

Natürlich weiß ich sehr wohl, dass man wilde Tiere nicht (ungestraft) betoucht, aber dieser Löffelhund war, ohne Schaum vor dem Maul, so unscheu und doch so fern von anderen befremdlichen Zutraulichkeiten, so selbstinitiativ, dass ich mich eben doch getraut hatte. Der Barkeeper aber beseitigt meinen Selbstzweifel ob meines Berührungsmuts: Das Tönnchen auf Schaschlikhölzern gehört zum Camp. Bestochen mit Käse (ausschließlich Cheddar, der Arme), hat er sich an Menschen gewöhnt und seine aparte Figur erworben. Dafür lässt er sich auch gerne mal begrabbeln. Allerdings war er bei weitem nicht so flauschig, wie er aussah, aber es war ein einmaliges Erlebnis.
Bild 2 © Louis/Bild 6 © GD