Mittwoch, 1. Juni 2011

13. April, Richtersveld Nationalpark, Potjiespram > Kakamas, Lake Grappa


Das Aufwachen fällt schwer, wenn man von dicht belaubten Baumkronen vor den heißen Strahlen der Morgensonne geschützt wird. Aber es hilft nichts, wir müssen raus, denn heute liegt ein langer Fahrtag vor uns. Raus aus dem Richtersveld, hinaus aus einer einzigartigen Zauberwelt der Sukkulenten, hinüber nach Osten, Richtung Kgalagadi Transfrontier Park. Mal sehen, wie weit wir kommen. Zunächst aber steht Frühstück auf dem Plan – wir geben uns zumindest redlich Mühe, die erste Mahlzeit des Tages gebührlich zu zelebrieren, scheitern aber kläglich an der Vielfalt des uns umgebenden Lebens. Die flachstehende Sonne wirft ein unbeschreibliches Licht auf das bunte, glänzende, metallisch schillernde Gefieder zahlreicher Vögel. Brillenvögel, Kaprötel, Rotaugenbülbüls, sie alle sind wunderschön, am meisten jedoch haben es uns die scheuen Nektarvögel angetan. Mit Toast, Tee und Kamera bewaffnet, stehen Heinz und ich ewig im Gebüsch und lauern den fliegenden Edelsteinen auf. Zurück am Tisch, wird unser Interesse von seltsamen Käfern geweckt, deren Körper über und über mit Sand paniert sind. Und der überaus anhängliche Camphund, den unsere Aufbruchsstimmung in mittelschwere Kuschelpanik versetzt, fordert zusätzlich seinen Tribut. Begleitet von den anrührenden Freundschaftsattacken des verzweifelten Tiers, brechen wir unser Lager ab, verabschieden uns vom Oranje und hinterlassen schließlich einen sauberen Stellplatz und – schweren Herzens – einen unglücklich winselnden Hund, der unserem abfahrenden Auto mit traurigen Augen hinterhersieht. Ein letzter Stopp, ein letzter Blick gilt noch den Bergen auf der anderen Seite des Oranje, die sich uns in nahezu überirdischem Licht greifbar kontrastreich präsentieren, dann machen wir uns wehmütig auf den Weg.

Ich will nix mehr sehen...
Der verschmuste Camphund
Site in Potjiespram











Sandkäfer (Eurychora)
Am Oranje entlang
Letzter Blick auf den Oranje










Sendelingsdrif, Hellskloof Gate, Alexander Bay. Wir schwitzen, es ist unglaublich heiß, doch zirka drei Kilometer, bevor wir die Küste erreichen, hüllt uns plötzlich dichter Nebel ein und senkt die Außentemperatur erheblich. Diese Nebelbänke, die so undurchdringlich kompakt werden können, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht, sind ein typisches Phänomen der rauen Atlantikküste Namibias. Auf der einen Seite ist da der eisige Benguela-Strom, dessen nach Süden ziehende Wassermassen in flacheren Gewässerzonen selten mal 14 Grad erreichen, auf der anderen Seite das karge, nackte baum- und graslose Festland, das sich tagsüber auf bis zu 60, 70 Grad aufheizt. Diese Temperaturunterschiede sind Hauptursache des Nebels, der in den kühleren Nachtstunden entsteht. Tagsüber ist die Sonne so stark, so gnadenlos, dass das verdunstende Wasser mehr oder weniger unsichtbar in der Hitze wegschlägt. Ab den frühen Abendstunden aber verringert sich die Kraft der Sonne, sie verschwindet, das Land kühlt ab, ist jedoch immer noch warm genug, um die feucht-kalte Luft über dem Benguela-Strom zum Kondensieren zu bringen. Durch südwestliche Winde begünstigt, bilden sich nun Nebelbänke am Küstensaum, die sich erst wieder auflösen, wenn der Planet heiß genug herableuchtet. Bei bedecktem Himmel können die Schwaden aber auch mal den ganzen Tag bleiben. Heute jedoch haben wir Glück – auf halbem Weg nach Port Nolloth klären die ersten Strahlen unsere Fernsicht und das Küstenkaff präsentiert sich uns wenig später freundlich-sonnig und fast einladend bunt.

Landschaft im Richtersveld
Küstennebel
Bei Alexander Bay











Abschieds-Springbock
Meer bei Port Nolloth
Karg, aber farbig!










Trotzdem umschmeichelt uns weiterhin ein kühler Wind, als wir unser Auto vor einem Supermarkt abstellen, um dort unsere schwindenden Vorräte erneut aufzufüllen. Annette hechtet sofort mit gezückter Einkaufsliste in den gemäßigt großen Shop, Heinz, der mittlerweile eine weitere Vorliebe entdeckt hat – nämlich die für afrikanische Läden – saust hinterher, Jochen hingegen bleibt im Auto und sieht etwas auf der Karte nach. Und ich würde hier, bei vollem Netzempfang, gerne mal wieder meine Eltern kontaktieren, krame deshalb gerade mein Handy hervor, um es betriebsbereit zu machen, als mich eine lallend-blecherne Stimme aus meinem Tun reißt. Ein zahnloser Schwarzer, der vor dem Supermarkt herumlungerte, vermeint in Jochen eine passende Melkkuh gefunden zu haben und labert ihn nun voll. Jochen, gutmütig und höflich, wie er ist, redet seinerseits begütigend, aber dennoch abwehrend auf den bettelnden Mann ein, der aber lässt sich nicht abwimmeln. Mir wird der Geräuschpegel im Zuge dieses Hin und Hers deutlich zu hoch, um ein ungestörtes Gespräch mit meinen Eltern führen zu können, so also verlasse ich den Wagen, lehne mich gemütlich ans Heck und will soeben die Nummer wählen, als in der Parklücke neben uns ein voll bepackter Geländewagen vorfährt. Die Fahrertür öffnet sich, ein recht rustikal aussehender Mann steigt aus, stürmt winkend auf mich zu und schwallt mich voll – auf Afrikaans. „So wie euer Auto aussieht, kommt ihr doch sicher aus dem Richtersveld, oder? Dann wisst ihr auch bestimmt, ob die Fähre immer noch kaputt ist. Ich bin nämlich Geschäftsmann und habe öfter in Namibia zu tun. Und da fahre ich meist über Sendelingsdrif, weil das kürzer ist. Aber das geht ja nun schon seit Wochen nicht mehr, weshalb ich immer außen herum den Umweg…“. Es folgt noch seine halbe Lebensgeschichte, dann hält er inne und sieht mich erwartungsvoll an. Ich habe zwar fast jedes Wort verstanden, mein Sprech-Afrikaans jedoch ist recht rudimentär, sodass ich es vorziehe, auf Englisch zu antworten – natürlich nach einer höflichen Nachfrage, ob er das verstehen könne. Heftiges Nicken. Also schildere ich ihm die Sachlage und teile ihm meine Einschätzung mit. Erneut heftiges Nicken, ein überschwänglicher Dank, er holt Luft – und ich muss mir die ganze Story, inklusive der Lebensgeschichte, abermals anhören; diesmal, der Abwechslung wegen, auf Englisch. „Okay, dann weiß ich jetzt Bescheid, vielen Dank nochmal und gute Reise weiterhin!“, beendet er schließlich den Monolog, winkt, steigt in sein Auto, flitzt von dannen und lässt mich einigermaßen geplättet zurück. Kopfschüttelnd wähle ich nun endlich die Nummer meiner Eltern, um sie an meinen letzten Erlebnissen teilhaben und ihnen aus dem tiefen Afrika ein Lebenszeichen ihrer verrückten Tochter zukommen zu lassen. Es tut richtig gut und ist so schön, mal wieder ihre Stimmen zu hören! Weniger schön allerdings ist die Info, dass es bei uns zuhause gerade schneit. Brrr! Im Moment kann ich mir das zwar kaum vorstellen, doch diese Nachricht, kombiniert mit der frischen Brise in Port Nolloth, lassen mich ein wenig frösteln. Mit deutlicher Gänsehaut beende ich das heimatliche Gespräch; gerade rechtzeitig, um unseren Power-Shoppern behilflich zu sein, die frischen Vorräte im Auto zu verstauen. Der Schwarze, der Jochen nach wie vor labernd an der Backe hängt, würde uns ebenfalls gerne zur Hand gehen. Als er aber feststellt, dass nichts Lohnendes für ihn abfällt (Kekse und Brot will er nicht), streicht er endlich die Segel.

Port Nolloth
Port Nolloth
Wie schön war es doch...!











Und sobald alles gestapelt ist, tun wir Selbiges und verlassen dieses seltsame Küstenkaff, machen uns auf den Weg in östliche Richtung. Erneut ziehen das flache Sandveld, das raue Hardeveld an uns vorbei, ein weiteres Mal schlängeln wir uns den Anenous Pass nach oben, passieren im Hinunterfahren eine Straßenbaustelle, die es vor drei Tagen noch nicht gab, und laufen schließlich abermals in Steinkopf ein. Und würde Annette nicht schon seit Kilometern mit einer übervollen Blase kämpfen, wären wir hier einfach durchgerauscht, nun aber sind wir dringend auf der Suche nach einer Toilette. An der örtlichen Tankstelle werden wir fündig. Während Annette nun flinker Beine die Bedürfnisanstalt stürmt, vertreten wir uns die Füße und sehen uns um. Holla die Waldfee, das ist ja eine richtige, wenn auch kleine Mall hier! Tanke, Fastfood und Getränkemarkt auf einem Fleck. Der Alkoholika-Laden allerdings trägt eine merkwürdige, handgepinselte Aufschrift auf seiner Fassade: Bottel Stoor steht da in großen Lettern geschrieben. Mhm? Hat sich hier nur ein orthografieschwacher Schildermaler verewigt, soll das ein bestimmtes Markenzeichen sein oder ist das schlichtweg Steinkopfer Dialekt? 

Baustelle rechts
Baustelle links
Wir müssen rechts










Bevor wir die tieferen Geheimnisse dieser Aufschrift lüften können – korrekterweise sollte sie Drankwinkel oder Bottle Store lauten – kehrt Annette erleichterter Miene vom Klo zurück. Und da dieser Ort in seiner tristen Gesamtheit so einladend nicht ist und wir weiter nichts zu erledigen haben, klettern wir schnell wieder ins Auto. Jetzt ist Kilometerfressen angesagt. Den staubigsten, heißesten Teil unserer Tagesstrecke haben wir ja schon hinter uns gebracht, aber er war wenigstens landschaftlich ansprechend und abwechslungsreich. Was nun jedoch vor uns liegt, kann man getrost als öde und ermüdend bezeichnen. Einziges Highlight, relativer Art, ist, nach etwa 50 Kilometern, die Stadt Springbok, die mit gut zehntausend Einwohnern zwar nicht zu den Metropolen dieser Welt zählt, aber hier, im dünn besiedelten Nordosten Südafrikas, schon zu den Großstädten gehört. Keine Kunst, wenn da sonst nichts ist… Gut, sie ist Hauptstadt des Namaqualands und der Wildblumen, für uns aber nicht mehr als ein weiteres Kaff, das es schnellstmöglich zu verlassen gilt. Wir folgen der vorbildlichen Beschilderung, verlassen die N7 und biegen, an einer belebten, aber übersichtlichen Kreuzung, auf die N14 Richtung Osten ab.

Bottel Stoor?
Springbok City
Blick auf Springbok











Ein unendliches, fast schnurgerades Teerband liegt nun vor uns. Die Straße ist in einwandfreiem Zustand, der spärliche Verkehr gibt keinerlei Anlass zum Meckern, wir kommen rasch voran, aber es ist eben todlangweilig. Hin und wieder macht der Highway zwar eine leicht Kurve nach rechts oder links, mal sind die Berge, die an uns vorüber flitzen, etwas niedriger, manchmal etwas höher, die Töne der Landschaft wechseln von rotgrau über graugelb nach fahlocker und zurück zu gedeckt-blassem Rostrot. Doch diese sehr subtilen Veränderungen sind nicht wirklich in der Lage, uns von unserem Ödnis-Hocker zu reissen. Heinz macht ein langes Nickerchen, Annette starrt aus dem Fenster, Jochen fährt konzentriert und ich plage mich mit dem Gedanken, mein Geografiebuch aus dem Rucksack zu holen, kann mich jedoch bei bestem Willen nicht dazu aufraffen. Ganz plötzlich jedoch werden wir aus unserer Zwangslähmung gerissen: mit dumpfen, aber vernehmlichen „Plöcks“ treffen, wie aus dem Nichts, unzählige kleine, mittelharte Gegenstände auf unser Auto, zerschellen an den Scheiben und hinterlassen schmierige, gelbgrüne Flecken. Ab und zu bleibt kurz ein bedorntes Bein oder ein transparenter Flügel in einem der unappetitlichen Kleckse hängen, bevor er vom Fahrtwind wieder weggerissen wird. Gerade als wir realisieren, dass wir soeben mit einem Heuschreckenschwarm kollidiert sind, ist das Spektakel auch schon wieder vorüber. Außer schleimigem Schlonz auf Blech und Fenstern bleibt nichts – aber wenigstens sind wir nun wieder wach.

Geradeaus ist langweilig!
Nach der Schrecken-Kollision
Mei, Landschaft halt...











Und das ist gut, denn ein Blick aus unseren verschmierten Scheiben zeigt uns, dass es ohnehin Zeit wird, mal wieder in Aktion zu treten. Die Sonne steht nämlich schon recht tief und wir sollten uns allmählich nach einer Übernachtungsmöglichkeit umsehen. Bald darauf passieren wir ein Schild, das unseren leicht rammdösigen Orientierungssinn auf aktuelle Koordinaten setzt: 30 Kilometer noch bis Kakamas, 55 Kilometer bis zum Augrabies Falls Nationalpark. Aha! Nun stellt sich uns die Frage, ob wir heute noch bis zum Nationalpark fahren sollen; richtig weit ist es ja nicht mehr. Aber nein, das ist blanker Unsinn: Eintritt zahlen, einchecken, ganz in der Nähe dieser beeindruckenden Wasserfälle übernachten, ohne morgen Zeit zu haben, den sehenswerten Park zu erkunden. Das lohnt sich in keinster Weise. So also hoffen wir auf einen Campingplatz direkt in Kakamas, das wir kurz darauf erreichen. Die N14 führt rechterhand an dem kleinen Städtchen vorbei – hier sieht es allerdings nicht nach geeigneten Nachtquartieren aus – aber erfahrungsgemäß gibt es vor den Toren der meisten Nationalparks genügend Herbergen der einen oder anderen Art. Darauf setzen nun auch wir, folgen der Beschilderung Richtung Augrabies Falls und schaukeln eine Weile durch hübsche Wohngebiete, die von flachen Weinbergen umgeben sind. Ferienbungalows, Bed&Breakfast-Pensionen, Hotels, alles gibt es hier, nur keinen Campingplatz! 

Schild der Hoffnung
Der Abend naht bald
Noch abendlicher











Als wir uns schon fast damit abgefunden haben, doch im Nationalpark nächtigen zu müssen, taucht plötzlich ein verheißungsvolles Schild am Straßenrand auf. Lake Grappa, Guest House and Ski School, steht da geschrieben, darunter ein paar Symbole: B+B, ein Häuschen, eine Bootsrampe, ein Motorrad und – juhu – ganz links und offenbar erst vor kurzem dazu gepinselt, ein Zelt! Das ist’s doch, was wir suchen! Erleichtert verlassen wir mit quietschenden Reifen die geteerte R64 und biegen links auf eine Schotterstraße ab, die uns innerhalb kürzester Zeit zum ersehnten Ziel bringt – einem Eingangstor nebst dazugehörigem Rezeptionsgebäude. Und diesmal haben wir auf Anhieb Glück; kein Kochwettbewerb, kein überbuchtes Ressort steht unseren Bleibewünschen im Wege. Zwar würde uns Lady Grappa lieber in einem ihrer Bungalows unterbringen, weil es angeblich irgend ein Problem mit dem Waschhaus des Campingareals gibt, als wir aber auf unseren Zelten beharren, bekommen wir die Erlaubnis, sie aufzubauen, wo immer wir wollen. Auch das Dusch- und Kloproblem wird kurzerhand aus der Welt geschafft, indem man verspricht, ein Chalet für uns zu öffnen, dessen Badezimmer wir dann ausnahmsweise benutzen dürften. Das nenne ich Service! Wir bedanken uns herzlich, verlassen die Rezeption und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz, den wir auch schnell finden. Am Ufer eines langgezogenen, künstlichen Sees prangt ein üppiger Rasenstreifen – Stromanschlüsse signalisieren einzelne Campsites – wir fahren, typischerweise, ans hinterste Ende und lassen uns dort nieder. Zwar schießt auf dem See ein (recht nerviges) Motorboot hin und her, hat (noch nervigere) kreischende Jungs auf Wasserskiern im Schlepptau, Flutlicht erhellt das ganze Gelände, sonst aber ist das Ressort ganz annehmbar, das Ambiente recht idyllisch. Zumindest für die eine Nacht. Während wir allerdings rasch noch unser Lager errichten und ein schnelles Abendessen zubereiten, erlischt das Flutlicht, das Motorboot verstummt, ebenso die Jungs, es wird still und wir sind froh, den langen, anstrengenden Fahrtag ohne uns umgebenden Trubel ausklingen lassen zu können. 


Weitere Impressionen des Tages:


















































 

Montag, 2. Mai 2011

Sichtungsliste 2011

Säugetiere

Springbock, Springbok (Antidorcas marsupialis)
Spießbock, Oryx (Oryx gazella)
Steinböckchen, Steenbok (Raphicerus campestris)
Kuhantilope, Hartebeest (Alcelaphus buselaphus)
Gnu, Wildebeest (Connochaetes taurinus)
Klippspringer, Klipspringer (Oreotragus oreotragus)
Warzenschwein, Warthog (Phacochoerus africanus)
Großfleckginsterkatze, Large-spotted Genet (Genetta tigrina)
Schabrackenschakal, Black-backed Jackal (Canis mesomelas)
Löffelhund, Bat-eared Fox (Otocyon megalotis)
Bergzebra, Mountain Zebra (Equus zebra)
Erdmännchen, Suricate (Suricata suricatta)
Fuchsmanguste, Yellow Mongoose (Cynictis penicillata)
Schlankichneumon, Slender Mongoose (Herpestes sanguinea)
Kaperdhörnchen, Cape Ground Squirrel (Geosciurus inauris)
Felsenratte, Dassie Rat (Petromus typicus)
Pfeifratte, Brants’s Whistling Rat (Parotomys brantsii)
Klippschliefer, Rock Hyrax (Procavia capensis)

Vögel

Kaffern-Adler, Verreaux’s Eagle (Aquila verreauxii)
Fleckenuhu, Spotted Eagle Owl (Bubo africanus)
Weißbürzelsinghabicht, Pale Chanting Goshawk (Melierax canorus)
Schwarzbrust-Schlangenadler, Black-chested Snake-eagle (Circaetus pectoralis)
Trauerdrongo, Fork-tailed Drongo (Dicrurus adsimilis)
Rotbauchwürger, Crimson-breasted Shrike (Laniarius atrococcineus)
Rotkopfamadine, Red-headed Finch (Amadina erythrocephala)
Schnurrbärtchen, Scaly-feathered Finch (Sporopipes squamifrons)
Blauastrild, Blue Waxbill (Uraeginthus angolensis)
Kalahari-Heckensänger, Kalahari Scrub-robin (Cercotrichas paena)
Maskenbülbül, African Red-eyed Bulbul (Pycnonotus nigricans)
Königswitwe, Shaft-tailed Whydah (Vidua regia)
Maskenweber (Ploceus velatus)
Blutschnabelweber, Red-billed Quelea (Quelea quelea)
Siedelweber, Sociable Weaver (Philetairus socius)
Mahaliweber, White-browed Sparrow-weaver (Plocepasser mahali)
Kapsperling, Cape Sparrow (Passer melanurus)
Schildrabe, Pied Crow (Corvus albus)
Gaukler, Bateleur (Theratopius ecaudatus)
Kleiner Halsbandnektarvogel, Southern Double-collared Sunbird (Cinnyris chalybaeus)
Fahlflügelstar, Pale-winged Starling (Onychognathus nabouroup)
Grünschwanz-Glanzstar, Greater Blue-eared Glossy-starling (Lamprotornis chalybaeus)
Bokmakieriewürger, Bokmakierie Shrike (Telophorus zeylonus)
Kapturteltaube, Ring-necked Dove (Streptopelia capicola)
Palmtaube, Laughing Dove (Streptopelia senegalensis)
Kaptäubchen, Namaqua Dove (Oena capensis)
Afrikanischer Wiedehopf, African Hoopoe (Upupa africana)
Baumhopf, Green Wood Hoopoe (Phoeniculus purpureus)
Steppenbaumhopf, Violet Wood Hoopoe (Phoeniculus damarensis)
Orangeschmätzer, Tractrac Chat (Cercomela tractrac)
Graufischer, Pied Kingfisher (Ceryle rudis)
Rotstirn-Bartvogel, Acacia Pied Barbet (Tricholaema leucomelas)
Gelbschnabeltoko, Yellow-billed Hornbill (Tockus leucomelas)
Erdbeerköpfchen, Lilian’s Lovebird (Agapornis lilianae)
Waffenkiebitz, Blacksmith Lapwing (Vanellus armatus)
Dreibindenregenpfeifer, Three-banded Plover (Charadrius tricollaris)
Rüppelltrappe, Rüppell’s Bustard (Eupodotis rueppellii)
Riesentrappe, Kori Bustard (Ardeotis kori)
Gackeltrappe, Northern Black Korhaan (Eupodotis afraoides)
Ludwigtrappe, Ludwig’s Bustard (Neotis ludwigii)
Sekretär, Secretary Bird (Sagittarius serpentarius)
Strauß, Ostrich (Struthio camelus)
Helmperlhuhn, Helmeted Guinea-fowl (Numida meleagris)
Nama-Flughuhn, Namaqua Sandgrouse (Pterocles namaqua)
Kapstelze, Cape Wagtail (Motocilla capensis)
Kapfrankolin, Cape Francolin (Pternistes capensis)
Weißbrauenrötel, White-browed Robin-chat (Cossypha heuglini)
Weißrückenmausvogel, White-backed Mousebird (Colius colius)
Kapbrillenvogel, Cape White-eye (Zosterops pallidus)
Kaptriel, Cape Dikkop (Burhinus capensis)
Weißwangenlerche, Chestnut-backed Sparrow-lark (Eremopterix leucotis)


Pflanzen
Abutilon pycnodon (Wild Abutilon)
Acanthopsis disperma (Distelstrauch)
Acanthosicyos horridus (Nara)
Acanthosicyos naudinianus (Gemsbockkürbis, Gemsbok Cucumber)
Acrotome inflata
Adenolobus garipensis
Aloe dichotoma (Köcherbaum, Quiver Tree)
Aloe pillansii (Giant Quiver Tree)
Aloe ramosissima (Maiden’s Quiver Tree)
Amphibolia sp.
Aptenia sp.
Aptosimum albomarginatum
Aptosimum elongatum
Aptosimum marlothii
Aptosimum spinescens
Argemone orchroleuca (Mexican poppy)
Arthraerua leubnitziae (Bleistiftbusch, Pencil Bush)
Asparagus sp. (Spargel)
Astridia sp.
Berkheya chamaepence
Blepharis spinifex
Boscia albitrunca (Weißrindenbaum, Shepherd’s Tree)
Brownanthus sp.
Brunsvigia orientalis
Catophractes alexandri (Trompetendorn, Trumpet Thorn)
Ceraria fruticosa
Ceraria namaquensis (Namaqua Porkbush)
Chascanum garipense
Cheiridopsis denticulata
Cheiridopsis robusta
Citrullus lanatus (Tsammamelone, Tsamma Melon)
Cleome angustifolia (Yellow Mouse Whiskers)
Cleome foliosa var. lutea
Cleome kalachriensis
Coccinia rehmannii
Codon royenii (Sugar Chalice)
Commiphora capensis (Namaqua-Balsambaum, Namaqua Corkwood)
Commiphora namaensis (Nama Corkwood)
Conophytum bilobum
Corallocarpus sp.
Cotyledon orbiculata
Crassula sp.
Cucumis africanus (Stachelgurke, Wild Cucumber)
Cucumis rigidus
Cullen obtusifolia
Cynanchum orangeanum
Cyphostemma juttae
Cyphostemma sp.
Dicerocaryum eriocarpum (Teufelsdorn, Devil’s Thorn)
Euphorbia avasmontana
Euphorbia braunsii
Euphorbia gregaria (Beseneuphorbie)
Euphorbia phylloclada
Euphorbia spinea (Thorny Euphorbia)
Forsskaolea hereroensis
Foveolina dichotoma
Geigeria ornativa (Common Geigeria)
Gisekia africana var. africana
Gomphocarpus filiformis (Melkbos)
Grielum humifusum (Duikerwortel)
Helichrysum roseoniveum
Hermannia stricta (Wüstenrose, Desert Rose - naja, so heissen viele...)
Hermbstaedtia fleckii (Katstert)
Hibiscus sp.
Hoodia gordonii
Indigofera alternans
Indigofera flavicans
Juttadinteria sp.
Kedrostis sp.
Kissenia capensis
Kleinia longiflora
Lineum viscosum (Klebriger Lein, Sticky Flax)
Lycium hirsutum
Mesembryanthemum barklyi
Mesembryanthemum crystallinum
Mesembryanthemum dinteri
Mesembryanthemum guerichianum
Monechma distichotrichum
Nicotiana glauca
Oxygonum delagoense
Pachypodium namaquanum (Halbmensch, Elephant Trunk)
Pavonia senegalensis (Wilde Stockrose, Yellow Mallow)
Peliostomum leucorrhizum (Blauglöckchen)
Pergularia daemis var. daemis
Petalidium sp.
Phaeoptilum spinosum (Brittle-thorn)
Prenia sladeniana
Rhigozum brevispinosum (Kurzdorn, Simple-leaved Rhigozum)
Rogeria longiflora
Sansevieria sp.
Sarcocaulon flavescens
Sarcocaulon sp.
Sarcostemma vivinale
Senna italica subsp. arachoides (Wild Senna, Wilde Senna)
Sesamum capense (Südwester Fingerhut, Cape Sesame)
Sesamum triphyllum
Sesuvium sesuvioides
Sisyndithe spartea (Spanish Broom)
Solanum burchellii
Solanum supinum (Bitterapfel, Poison Apple)
Stapelia sp.
Stoeberia sp.
Striga gesneroides
Tribulus zeyheri subsp. zeyheri (Burzeldorn, Devil Thorn Weed)
Tromotriche pedunculata
Tylecodon paniculatus
Verbesina encelioides (Goldener Kornbart, South African Daisy)
Welwitschia mirabilis
Wooleya sp.
Zygophyllum simplex (Einfaches Jochblatt)
Zygophyllum stappfii (Talerbusch, Dollar Bush)

"Kleinkram"

Odontopus sexpunctatus (Welwitschia Bug)
Chameleo namaquensis (Wüstenchamäleon, Namaqua Chameleon)
Ceroplesis sp.
Tomopterna tandyi (Tandy’s Sand Frog)
Colotis Ione (Violet Tip)
Spodoptera Exempta (African armyworm)
Urothemis sp.
Junonia hirta (Yellow Pansy)
Zographus oculator
Eurychora sp.
Cordylus sp.
Platysaurus monotropis (Orange-throated Flat Lizard)
Coridius nobilis
Stenochora gracilipes (Namib Desert Beetle)
Lydomorphus bisignatus
Mylabris oculata (CMR Bean Beetle)
Actenodia curtula
Cephonodes hylas (Pellucid Hawk Moth)
Exoprosopa sp.
Gryllus bimaculatus (Zweifleckgrille, Common Garden Cricket)
Acanthoplus cervinus (Armoured Corn Cricket)
Geochelone pardalis pardalis (Pantherschildkröte, Leopard Tortoise)
Trachylepis sparsa (Karasburg Tree Skink)
Tettigonia sp.

und viele weitere Frösche, Eidechsen, Agamen, Krabben, Raupen, Schmetterlinge, Käfer, Schrecken, Gottesanbeterinnen, Spinnen, Skorpione, Asseln und natürlich auch noch viele Pflanzen, die wir alle noch gerne näher bestimmen möchten...

Mittwoch, 27. April 2011

Tourroute Afrika 2011

31. März 2011 - Ankunft in Windhoek, Übernachtung Monteiro Camp
1. April 2011 – Windhoek > Swakopmund, Übernachtung Sophia Dale
2. April 2011 – Swakopmund > Blutkuppe, Welwitschia Trail, Flechtenfelder, Mondlandschaft
3. bis 4. April 2011 – Namib Naukluft NP, Wandern, Sukkulenten suchen
5. April 2011 – Namib Naukluft NP, Sesriem, Sossusvlei
6. April 2011
– Sossusvlei > Koiimasis
7. April 2011 – Koiimasis
8. April 2011 – Koiimasis > Fish River Canyon, Hobas Camp
9. April 2011 – Fish River Canyon > Zwischenübernachtung nahe Noordoewer, Felix Unite
10. bis 11. April 2011 – Richtersveld NP, De Hoop Camp
12. April 2011 – Richtersveld NP, Potjiespram Camp
13. April 2011 – Zwischenübernachtung nahe Marchant, Lake Grappa Camp
14. April 2011 – Noordoewer > Kgalagadi Transfrontier Park, Rooiputs
15. April 2011 – Kgalagadi Transfrontier Park, Polentswa
16. April 2011
– Kgalagadi Transfrontier Park, Sizatswe Pan
17. April 2011 – Kgalagadi Transfrontier Park > KD1, Masetleng Pan
18. April 2011 – KD1 > Übernachtung Zelda Camp
19. April 2011 – Windhoek, Monteiro Camp
20. April 2011 – Windhoek > Heimflug

Dienstag, 16. November 2010

Kurzchillen im Chiemgau 1

07. Oktober 2010

Fast schon hat es Tradition, unser Mädls-Chill-Wochenende; fast, denn heuer fahren wir zum zweiten Mal. Wir, das sind Chrissie, Moni und ich. Nachdem wir letztes Jahr ein paar extrem fröhliche Tage in Südtirol zugebracht hatten, wollten wir auch heuer nicht auf unseren Entspannungs-Ausflug verzichten. Nur wohin? Nicht zu weit weg und nicht zu teuer sollte es sein und den Touristenströmen wollen wir auch aus dem Weg gehen. Moment! Moni und ich hatten vor 5 Jahren ein verlängertes Wochenende im Chiemgau verbracht, weitab vom See, inmitten herrlicher Landschaft, in einer sehr familiären Pension in einem malerischen Dörflein namens Offmering. Somit war die Entscheidung gefallen, die perfekte Location für unsere diesjährigen Chilltage gefunden! Ich kümmerte mich um die Reservierung unseres Pensionszimmers, was nicht ganz so einfach war, denn die schon recht betagte Vermieterin machte am Telefon einen etwas wirren Eindruck: ob ich am nächsten Tag nochmal anrufen könne; sie sei schon im ersten Stock und das Buch läge unten... Am nächsten Tag erwischte ich sie auf Höhe des besagten Buches, sie schrieb sich alle relevanten Daten auf und schloss unser Telefongespräch mit den Worten: „Oiso guad, so machma des. Da wer i na scho do sei. Ah, wenn ned, dann is eppa anda do. Pfia God!“ Soso! Zur Sicherheit rief ich eine Woche vor unserer Abfahrt abermals an, bestätigte die Buchung und bekam wieder zu hören: „Da wer i na scho do sei! Und wenn ned – schbädastns am Omnd kummi wieda. Oiso, pfia God!“ Nun gut, wir werden sehen...

An einem nebeligen Donnerstag Nachmittag geht es endlich los: gegen 15 Uhr verlassen wir München, tuckern gemächlich über die Salzburger Autobahn, fahren bei Rosenheim ab und schaukeln den Rest der Strecke durch zahlreiche, kleine Dörfchen, bis wir schließlich gegen 17 Uhr in Offmering ankommen. Wir parken das Auto im Hinterhof und schon bei der ersten Außen-Inspektion des Hauses wird klar: unsere Pensionswirtin, die Pointner Gisi, ist tatsächlich nicht da. Etwas unentschlossen stehen wir herum, als ein weiteres Auto in den Hof kommt. Ein junger Mann in Arbeitskluft entspringt dem Gefährt, winkt uns kurz zu, läuft zur Hintertür, sperrt diese auf und entschwindet im Haus. Während wir noch rätseln, wer das gewesen sein könnte, sehen wir die Gisi vom gegenüberliegenden Friedhof herabkommen, schwer beladen mit einigen leeren Blumenschalen. In Ermangelung freier Hände wackelt sie freudig grüßend mit dem Kopf. „Ja, do seids ja scho! Jetz war i grad am Friedhof drom und hob ma denkt, do muaß i doch amoi schaun, obs scho do seids. Kummts nur glei mid rei, dann zoag i eich eia Zimma.“ Sprichts, deponiert die Schalen auf der Hausbank und eilt, mit uns im Gefolge, hinein ins Haus, die steile Wendeltreppe nach oben und reißt die Tür von Zimmer 1 auf. Vorsichtig merke ich an, dass wir eigentlich gerne Zimmer 2 gehabt hätten, das mit dem Balkon. „Ja, i woaß scho, aba da wohnt no ebba drin. Aba des wern ma glei ham!“, sagt die Gisi, saust aus dem Zimmer, hinaus auf den Flur und beginnt, an einer Tür zu hämmern, hinter der sich offen hörbar eine in Betrieb befindliche Dusche verbirgt. „Hajo? Hajo!“, schreit sie, „bist du da drin? Hajo, sag!?“ Durch das Rauschen hindurch hört man ein kurzes, heiseres „Ja!“. „Du, Hajo, fahrst du heid no hoam?“ Keine Antwort. Gisi hämmert heftiger und rüttelt an der Klinke. „Fahrst du heid no hoam, Hajo?“ Erneut ist ein heiseres „Ja“ zu vernehmen. „Na is scho guad, Hajo, lass da nur Zeid, Hauptsach, du fahrst heid no hoam!“, meint Gisi zufrieden und erklärt uns, dass der gute Hajo ein Montagearbeiter sei, der übers Wochenende heim nach Sachsen führe und wir derweil gerne den Balkon seines Zimmers benutzen könnten. So hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe: einen Balkon mit Blick auf die Straße zum Draußensitzen und ein ruhiges Schlafgemach zum Hinterhof. Uns soll das recht sein, nur ob der Hajo es so klasse findet, dass drei fremde Damen die nächsten Tage durch sein Zimmer stolpern? Nun ja, die Gisi wird schon wissen, was sie tut!

Etwas amüsiert, aber hochzufrieden winden wir uns die schwindelerregende, linksdrehende Wendeltreppe wieder nach unten, um unser Gepäck zu holen und uns gemütlich einzurichten. Doch im Erdgeschoss angekommen, fallen wir erneut Gisis Fürsorge und auch ihrer Neugier anheim: „Ja, was dean jetzad drei so hübsche, junge Grazien wia ihr in Offmering; do is doch nix los und zum Badn is a scho z’koid?!? Wias es ogruafa habts, hab i ma scho denkt, was machan de de ganze Zeid do. Hoffendlich weads dene ned langweilig. Aber ihr weads scho wissn, warum’s do hea kumma seids. So, und jetzt zoag i eich no, wo da Schlüssl is, fois amoi zuagschbarrd warad und wo de Liachtschoita san.“ Eifrig knipst sie an diversen, in dunklen Winkeln verborgenen Schaltern herum und strahlt mit den der Reihe nach aufleuchtenden Glühbirnen um die Wette. „So, dann wissts des jetzt a, weil ihr kummts ja bestimmt amoi schbada hoam, gei! Obwoi i oiwei no ned woaß, was ihr do so doa woids, wo doch nix los ist...!“ Wir versuchen der Gisi zu erklären, dass genau das „Nix-Los“ es wäre, was wir wollten: Ruhe, kein Trubel, kein Aktions-Zwang, Abhängen, Rumhängen, ein bisschen spazierengehen, gut essen und früh schlafen. Verständnisvoll nickt die Gisi mit dem Kopf, obwohl sie als ausgesprochenes Energiebündel wahrscheinlich noch keine einzige Minute ihres fast achtzigjährigen Lebens abgehangen hat.

Apropos gut essen: als Moni und ich vor 5 Jahren in Offmering waren, gab es hier einen Gasthof, der unglaublich gute Speisen weit jenseits der gutbürgerlichen Landküche kredenzte. Jeden Abend waren wir hier zu Gast und mampften uns mit Begeisterung durch die umfangreiche Speisekarte. Allerdings, das bekamen wir Abend für Abend live mit, kriselte es heftig zwischen Wirt und Wirtin. Da das Paar den Jägerwirt gepachtet hatte, steht nun zu befürchten, dass nach der Trennung der beiden (auch die hatten wir live erlebt), wohl auch der Pächter gewechselt hat. Gisi bestätigt unsere Ahnungen: Na, na, der Schorschi is scho lang nimmer do, der hod si mit seiner Tusnelda zagriagt. Jetzt is do oane ausm Nordn. S’Essn soi recht guad sei, sagn d’Leid, aber ganz schee deirig.“ Na, das wollen wir uns doch mal ansehen! Wir lassen das Gepäck im Auto und spazieren hinauf zum Jägerwirt. Die in einem Glaskasten aushängende Speisekarte klingt nicht schlecht, haut uns aber auch nicht vom Hocker. Wir beschließen, das Lokal von innen zu inspizieren und, damit es nicht so auffällt, gleich einen „Welcomer“ zu uns zu nehmen. Die ehemals schummrige, in einem Stilgemisch aus Gründerzeit und Biedermeier eingerichtete Gaststube ist jetzt hell erleuchtet, mit den üblichen Brauereimöbeln bestückt und wirkt ein bisschen wie der Speisesaal eines Erholungsheimes. An den Fenstern hängen Leinenimitatvorhänge mit Jagdmotiven, die wohl stilvoll wirken sollen, aber in ihrer Unentschiedenheit zwischen Rustikalität und designermäßigem Gestaltungselement seltsam deplatziert scheinen. Die Wände, teilweise in frischem Jägersgrün getüncht, wirken kühl – wie auch die Wirtin, die, obwohl sie sehr höflich und beflissen ist, nicht gerade zu einer heimeligen Gesamtatmosphäre beiträgt.

Dennoch beschließen wir, heute Abend hier essen zu gehen, es wenigstens mal zu probieren; auf dem Rückweg zu unserer Pension allerdings können wir es uns nicht verkneifen, einen kleinen Umweg zur zweiten Wirtschaft vor Ort zu machen und deren aushängende Speisekarte zu studieren. Ok, die Entscheidung fällt leicht: die „Gans“ hat Ruhetag, heute Abend ist also Jägerwirt angesagt, aber wenn der nichts taugt, gehen wir die restlichen Abende in die „Gans“, deren Karte sehr verlockend klingt! Wohlig entspannt und voll informiert kommen wir bei der Gisi an, laden unser Gepäck aus und tragen es hoch in unser Zimmer im zweiten Stock. Oh weia, Moni und ich sind kurzatmig wie alte Weiber... Mit unseren nicht allzu schweren Taschen keuchen wir die steile Wendeltreppe nach oben, lassen uns schnaufend auf die Betten fallen, holen mehrmals rasselnd Luft und beginnen dann, uns medikamentös zu versorgen. Moni spürt seit gestern Abend die eiserne Brustkorbfaust einer aufkeimenden Bronchitis, die mich wiederum schon seit einigen Tagen voll im Griff hat. Rotzend und hustend packen wir unsere Reiseapotheke aus, sprühen, schlucken, schneuzen, schmieren und grinsen uns halb leidend, halb amüsiert durch die pfefferminzigen Hustensaftschwaden an, die mittlerweile durch unser Zimmer wabern. Nur Chrissie hält sich noch wacker, wird aber auch allmählich vom „Nix-Los“-Virus befallen – und so sinken wir erst mal allesamt flach auf unsere Liegestätten darnieder. Mann, ist das schön, sich so hängen zu lassen, ohne jegliche Verpflichtung zu sein! Heute treibt uns nur noch eines – essen. Langsam senkt sich die Dunkelheit auf unsere Dachfenster herab; das diffuse Licht macht uns so schläfrig, dass wir allen Ernstes befürchten einzuschlafen. Bevor das passiert, rappeln wir uns hoch, packen uns warm ein und marschieren zum Jägerwirt hinüber. Die kühle nordische Wirtin lächelt uns wiedererkennend an und versorgt uns mit Speisekarten. Mehr als heute Nachmittag steht jetzt auch nicht drauf zu lesen; so also ist bald für jeden von uns eine Speise gefunden und wir bestellen, wie angeboten, so bodenständige Gerichte wie Holzfällersteak und Saftgulasch, die auf der Karte haute-cuisinemäßig verbal aufgewertet wurden durch Formulierungen wie „an Bratkartoffeln“ und „Madairajus“ (leider a bissi falsch geschrieben). Was wir dann letztendlich serviert bekommen ist recht durchschnittliche Rustikalküche, der Jus outet sich auf unseren Geschmacksknospen als stinknormale Bratensauce, aber weil es ja Jus ist, gibt’s nicht mehr als ein Löffelchen davon. Nein, Frau Jägerswirtin, so werden wir Vier keine Freunde! Dennoch essen wir die „deirigen“ Gerichte brav auf, begleichen unsere Zeche und schleppen uns anschließend ziemlich vollgefressen durch die kühle Nachtluft zurück zu unserer Pension. Im Zimmer angekommen werfen wir uns sofort in unsere Nachtklamotten, Moni und Chrissie präparieren sich zwei heiße Wärmflaschen (eine „Angezogene“ mit kuscheligem Fleece-Überzug und eine „Nackerte“ ohne) und wir plüschen uns wohlig in unsere Betten. Wir sind so müde, dass uns nicht mal das Fernsehprogramm, das uns aus einem Mini-Monitor entgegenflackert, wachhalten kann. Naja, Fussball und Frauentausch sind soo fesselnd eben auch nicht... Gegen 22 Uhr knipsen wir Glotze und Nachttischlampen aus und lassen uns in Morpheus Arme sinken; wie die alten Weiber...

Kurzchillen im Chiemgau 2

08. Oktober 2010

Gestern hatten wir der Gisi einen späten Frühstückstermin aus den Rippen geleiert: 9 Uhr. Richtig spät ist das für uns nicht, aber für eine Frühaufsteherin wie die Gisi wahrscheinlich eine schon recht fortgeschrittene Tagesstunde. Doch unsere Befürchtungen, diesen Termin eventuell zu verschlafen, verflüchtigen sich morgens um 6.30 Uhr auf äußerst unsanfte Weise: aus dem Erdgeschoß dringt lautes Gezeter durch das offene Treppenhaus. Zwischen Gisis keifende Tiraden mischt sich immer wieder eine sonore Männerstimme, defensiv, aber deswegen nicht weniger laut. Nach einer halben Stunde kehrt wieder Ruhe ein, aber nun sind wir wach. Eigentlich bin ich über dieses verfrühte Weckereignis nicht wirklich böse, denn ich habe nicht sonderlich gut geschlafen. Mein Kopf fand keine gemütliche Position auf dem monströsen Federkissen, ohne dieses war es wiederum zu flach und außerdem setzte die warme, trockene Zimmerluft meinen Bronchien arg zu; immer wieder erwachte ich von meinen eigenen Hustenanfällen, wechselte von Schwitzen zu Frieren und die Nacht wollte kein Ende nehmen. Doch jetzt ist sie für uns alle vorüber und wir rappeln uns hoch. Nach einer schichtweisen Morgentoilette – es gibt nur eine Dusche, ein Klo für die ganze Etage und ein Waschbecken pro Zimmer – ziehen wir uns an und wendeln die Treppe nach unten, wo in Gisis an die Küche grenzendem Wohnzimmer schon die Frühstückstafel gedeckt ist. Auf der Eckbank schläft kugelrund eingerollt ein schwarzer Kater, der sich nicht stören läßt, als wir um ihn herum Platz nehmen. Kaum dass wir sitzen, umfängt uns Gisi mit ihrer Fürsorge. Alles, was auf dem Tisch steht, wird erklärt und kommentiert: die Kanne Kaffee, ob die wohl für uns reicht, wie auch die drei Semmeln pro Person, der Honig, das selbstgemachte Erdbeer-Rhabarber-Mamalaad und das Johannisbeer-Scheläh, die Eier, deren Öffnung sie gespannt erwartet, schließlich könnten sie zu hart oder zu weich sein, der Kater namens Burschi, der uns stören könnte, das Chiemgauer Tagblatt, das wir sicher lesen wollten, weil da was über den Pfarrer aus Waging drinstünde usw., usw. Nein, Gisi, ja, Gisi, es ist alles super, wunderbar, perfekt!

Halbwegs beruhigt durch unsere ehrlich gemeinten Versicherungen, wendet sich Gisi der nächsten Baustelle in ihrem übergroßen Herzen zu. Wortreich und bedauernd entschuldigt sie sich für den frühmorgendlichen Streit, der uns so rüde geweckt hatte und liefert die Gründe für die Auseinandersetzung gleich mit: ihr zweiter Mann, der Klausi, sei im Juli gestorben und nach dessen Beisetzung hätte sie die Namenstafel am Grab neu machen lassen. Jetzt steht der Name ihres ersten Mannes ganz oben, der des zweiten darunter, obwohl er nur angeheirateterweise zur Familie gehört hatte, dann kommen die Namen der Eltern des ersten Mannes und ganz unten, wo noch ein Platz frei ist, wird mal Gisis eigener Name hinkommen, „wenns ma amoi d’Schaufe naufhaun“. Diese Namensreihenfolge hatte wohl bei einigen, besonders „engagierten“ Dorfbewohnern Unmut erzeugt, der wiederum an Gisis Sohn Rudi herangetragen worden war. Auch Gisis emsiges Friedhofsgepflanze und Schalengeschleppe schmierte man ihm vorwurfsvoll aufs Brot – das müsse doch nicht die alte Frau machen, dafür wäre die Familie da. Rudi war natürlich ob der ungerechtfertigten Vorwürfe ziemlich konsterniert, informierte seine Mutter und gab ihr zu allem Überfluss auch noch eine Teilschuld. Und da war der Gisi der Kragen geplatzt; heute Morgen und völlig zu recht, wie wir meinen. Wen geht das was an? Sollen die Leute doch vor ihrer eigenen Haustüre kehren. „Ach,“, seufzt die Gisi, „es is scho a Gfrett bei uns aufm Land, des is fuachbar mit de Leid, in was sie de ois eimischn. Dawei geht de des garnix o! Wia i de Nama aufs Dafal schreim lass, des is alloa mei Sach. Und wenn i zehnmoi am Dog Schoin rumdrog, aa. Mei Sohn hat gnua Arwad und wenn i ma was eibuid, kann i ned wartn, bis a endlich Zeid dafür hod. Dann mach i’s hoid seiba! Mei, und ihr kennts ned in Ruah frühstückn, weil i eich den ganzn Schmarrn erzeih. Jetzt loss i eich aber in Ruah essn, jetzt wissts ja ois!“ Sprichts und entschwindet. Einigermaßen erschlagen von den ganzen Informationen, dem endlosen Wortschwall und vor allen Dingen von Gisis rührender Offenheit, speisen wir schweigend weiter, genießen das hausgemachte Mamalaad, das Scheläh und die Gegenwart des leise schnurrenden Burschi.

Kaum sind wir fertig und tragen gerade das Geschirr in die Küche, stürmt Gisi wieder herein und kontrolliert unseren Fressaliendurchsatz. Besorgt muss sie feststellen, dass 3 Semmeln übrig geblieben sind und schwupp, schon legt sie uns Brotzeitbeutel auf den Tisch. „Mei, schmierts eich doch de Semmen, deads a Wurschd und an Kaas drauf, dann habts was zum Mitnehma fürn Dog!“ Das ist lieb gemeint, aber so verfressen sind wir nun auch nicht, dass wir gleich Proviant für unser touristisches Sparprogramm benötigen. Seufzend über unsere Weigerung, setzt Gisi unsere morgige Semmelration auf zwei Stück pro Person herunter und entläßt uns mit herzlichen Wünschen in einen spannenden Tag – nicht ohne abermals zu bezweifeln, ob wir uns hier wirklich in irgendeiner Art und Weise vergnügen könnten. Aber wir können! Nach einem weiteren Besuch in unserem Zimmer, wo wir uns für die herbstlichen Temperaturen rüsten, starten wir zu einem Dorfbummel; hinab zum örtlichen Freibad, das einsam und verlassen im Nebeldunst liegt, hinauf über die Hauptstraße, hinüber zum Friedhof. Ich liebe Friedhöfe, vor allen Dingen die kleinen ländlichen, deren Grabstätten sich eng um die Kirche drängen – und ganz besonders die alten Grabsteine, die oftmals mit sepiafarbenen Portraits der Verstorbenen, gedruckt auf ovale Porzellanplaketten, versehen sind. Ganz nebenbei wollen wir natürlich auch die anstoßerregende Namenstafel begutachten, die unsere Gisi so in den Fokus der Dorfkritik gegerückt hat. Gerade sind wir fündig geworden, als uns eine Frau anspricht: „Suachts ihr eppan? Weil die meistn Leid, de doher kumman, de suachan des Grab vom Allermann. Aba des is ned do, de is am andan Teil vom Friedhof.“ Freundlich grüßen wir, sehen die Dame aber etwas ratlos an, denn der Name Allermann sagt uns so gar nichts. Die Mittfünfzigerin mit ausgebleichten Hennalocken steht barfuß in Birkenstocks – bei frostigen acht Grad – hat ein Fußkettchen um, wirkt recht undörflich, eher etwas ausgeflippt, exaltiert, scheint aber bestens informiert zu sein. „Was, ihr kennts den Allermann ned? Der war doch, na, wia sagt ma, na, Ding halt bei der Ding in Minga. Wega dem kumman an Hauffa Leid.“ Plötzlich hält sie in ihren Erklärungen inne, richtet ihren Blick gen Himmel, wo gerade ein Gänseschwarm in V-Formation seine Bahn zieht und dabei laut schnattert. Inbrünstig faltet die seltsame Dame ihre Hände und flötet andächtig: „Mei, da sans wieda, unsare Gäns, is des schee!“ Was nun folgt, würde man in einem Chat/Forum als „Säuseln aus, markiges Fluchen an“ bezeichnen: in völlig anderer Stimmlage bricht aus dem rotgefärbten Weib etwas hervor, was viel besser zu ihr passt, als das Geflöte: „Kruzifix, jetzt i hab mei Gwahr ned dabei. Do dama scho zwoa ghean!“ Inbrunst off, kommunikativer Infoton an: „Oiso, zum Allermann geht’s do naus, dann grodaus weida, a bissl nüba und nauf und scho seids do. Des kennts garned vafeihn.“ Wir sind heftig beschäftigt, unsere Mundwinkel in Zaum zu halten und nicht lauthals über diesen von Herzen kommenden Fluch zu lachen und entfernen uns deshalb dankbar und dankend in die angegebene Richtung, während uns weiter detaillierteste Wegbeschreibungen hinterher schallen.

Huch, was war denn das jetzt? Kichernd gehen wir das Grab vom Allermann suchen, auch wenn wir nicht wissen, wer das sein soll. Kichernd und lachend, da die Situation ja schon ein bisschen grotesk war: auf der einen Seite beschwert „man“ sich über die Namensreihenfolge auf der Grabtafel, auf der anderen Seite läßt eine seltsame Frau herzhafte Flüche und Wildererphantasien auf geweihter Erde los und keiner schreitet ein; es donnert nicht, es blitzt nicht und auch der Boden tut sich nicht auf...

Dank der präzisen Wegbeschreibung erreichen wir nach kurzem Marsch den anderen Friedhof, offenbar der neuere Teil, und durchstreifen die Grabreihen, jenem ominösen „Ding bei da Ding in Minga“ auf der Spur. Doch wir können Allermanns letzte Ruhestätte nicht finden, dafür fällt uns aber eine seltsame „Grabmode“ ins Auge. Einige der Grabstellen sind nicht bepflanzt, sondern dicht mit weißen Kieselsteinen belegt. Das Ganze sähe extrem lieblos aus, wären diese Steininseln nicht allesamt mit weißen Steinengelchen in diversen liegenden und betenden Positionen geschmückt. Aber auch die petrifizierten Himmelswesen nehmen dieser Art der Grabverzierung nur mühsam, nur ansatzweise ihre, naja, sagen wir mal, nüchterne Ausstrahlung. Der neue Friedhofsteil hat ingesamt viel weniger Charme als der alte und als sich auch der Allermann nicht finden lässt, ist unser Interesse rasch erschöpft und wir spazieren langsam wieder hinunter ins Dorf. Dort entern wir einen von zwei nahe beieinander liegenden Supermärkten der Gruppe „Nah&Gut“ - einer ist näher, der andere ein paar Schritte weiter die Straße hinab; deshalb taufen wir die Läden kurzerhand in „Nah&Fern“ um. Faul wie wir sind, bevorzugen wir natürlich den „Nah“ und erstehen dort Leckereien für einen gemütlichen Sofa- und Kniffelabend, wie wir ihn für heute geplant haben. Prosecco, Aperol, Chips, Schokolade, Pistazien und natürlich ein paar Postkarten – die gehören zu einer derartigen „Fernreise“ einfach dazu.

Schwer beladen kehren wir zur Pension zurück, stellen unsere Einkäufe ab und eilen weiter zum nächsten Laden. Gleich ums Eck nämlich befindet sich ein Nippes- und Schnickschnack-Shop, der nur an zwei Tagen in der Woche für wenige Stunden geöffnet hat. Und heute ist so ein Tag. Eine alte Scheune wurde von zwei Damen liebevoll in ein Paradies voller Dinge, die niemand braucht, verwandelt. Allerdings ist der Tand auch hübsch teuer, so teuer, dass wir nicht mal ansatzweise auf die Idee kommen, hier etwas zu erwerben. Nach einem kurzen Bummel verabschieden wir uns deshalb freundlich und begeben uns mitsamt unseren Knabbereien hinauf in unser Zimmerchen. Es ist schon Mittag, aber immer noch sehr nebelig und recht frisch draußen – so haben wir nicht den leisesten Anflug eines schlechten Gewissens, es uns mitten am Tag auf unseren Betten gemütlich zu machen und eine Lesestunde einzuläuten. Moni und Chrissie allerdings fallen bald die Bücher aus den Händen, sie schlafen ein und aus einem Stündchen werden ein paar mehr. Gegen 18 Uhr, ich bin mit meinem Buch fast durch, erwacht Chrissie schließlich wieder und bald darauf auch Moni. Hunger! So lautet Monis erste Wortmeldung. Da sind wir natürlich sofort dabei! Anziehen, ausgehfein machen und nichts wie ab in die „Gans“! Ich freue mich aufs Essen, aber viel mehr noch auf das Aquarium in der „Gans“, in dem vor 5 Jahren zwei prächtige Hauschen schwammen. Heute Morgen beim Frühstück hatte ich bereits die Gisi interviewt, ob es die beiden urtümlichen Knochenfische wohl noch gäbe. „Ja freilich, des Beckn hams scho oiwei no. Do san die Fiesch gwiss no drin!“ Umso enttäuschter bin ich, als zwar das Riesenaquarium noch da ist, leider aber ohne Hauschen. Ich schnappe mir die Bedienung und frage, wo die Viecher denn abgeblieben seien. Hauschen? Ratlos sieht die Kellnerin mich an. Als ich bekräftigend nicke, plärrt sie in die Küche: „Du, Agnes, ham mir amoi Hauschn ghabt?“ „Freilich, aba scho lang nimma.“ Schon kommt Agnes aus der Küche geschossen. „Mei, de zwoa Fiesch hamma nimma, de ham si einfach nimma woigfuid in dem kloana Beckn drin. Do hob i’s zu meim Freind do, der hod a baar Fieschweiha z’Prien drent, do sans jetzad guad untabracht. Des gfoid eana richtig und de Gloria is scho fast an Metta gwachsn seid dem!“ Es freut mich sehr, dass es den beiden Schönen so gut geht und sie auf niemandes Teller gelandet sind...

Beruhigt danken wir der Agnes und wenden uns dem Studium der Speisekarten zu. Hier in der „Gans“ gibt es eine große Auswahl an Gerichten, sicher dreimal mehr als beim Jägerwirt, sie alle klingen sehr lecker und das, ohne verbal „verfeinert“ worden zu sein. Hier ist nichts AN einer Beilage, sondern ganz normal MIT und die Bratensauce wurde auch nicht niveauheischend zu Jus haute-cuisiniert, sie wird nicht mal erwähnt, dafür aber ist sie in deutlich großzügigerer Menge auf dem Teller zu finden, als bei der Konkurrenz. In rustikaler Umgebung genießen wir ein feines, üppiges Abendessen, das uns in unserer Erholungssucht und gnadenlosen Faulheit tatsächlich an den Rand erneuter Erschöpfung treibt. In wohliger Vorfreude auf unsere Betten begleichen wir die Rechnung, schleppen uns gähnend in die Pension zurück und sinken ermattet auf die fast noch nicht ausgekühlten Betten. Eigentlich wollten wir noch ein paar Runden Kniffel spielen, doch dazu reichen unsere Kräfte heute nicht mehr – nach diesem ereignisreichen, sehr (ent-)spannenden Tag. Um 22 Uhr geht deshalb das Licht aus und wir kuscheln uns ein. Moni und Chrissie mit ihrer „Nackerten“ und „Angezogenen“, ich mit meiner zu einer Nackenrolle geklöppelten Fleecejacke. Mhmm, gute Nacht!