Donnerstag, 7. März 2019

10. Oktober 2015; Katavi Nationalpark > Mbeya, ICC Guesthouse

Doch in den Stunden, die wir, eingehüllt von unseren Träumen und Schlafsäcken, im Zelt verbracht haben, muss wohl doch eine da gewesen sein. Jochen, der als erster aufgestanden ist, saust nämlich fluchend im Camp umher. „Verdammt, das Dreibein, wo ist das hingekommen? Es war doch gestern noch da!“ Heinz und ich strecken unsere verwuschelten Köpfe aus dem Zelt. „Barbara, Heinz, ihr seid doch noch länger gesessen. Das Dreibein ist weg, das war bestimmt eine Hyäne. Habt ihr was gesehen?“ „“Ne, alles ruhig, aber lass mich mal nachschauen.“, antwortet Heinz und eilt zu seiner Wildkamera, die er in der Nähe des Feuers aufgebaut hatte. Rasch blättert er sich durch die Bilder, die heute Nacht geschossen wurden. „Ja, da, eine Hyäne!“ Er klickt weiter. „Ja, da war eine, aber ein Beweisbild mit Dreibein gibt es nicht!“ „Verdammt! Ich bin mir sicher, dass es gestern Abend noch da war. Wah, diese Hyänen, die klauen echt alles!“ Aufgebracht nimmt Jochen Kurs auf den umliegenden Busch, um dort das Dreibein zu suchen. Heinz und ich sehen uns nur an – wir nämlich sind uns sicher, dass das Dreibein in den letzten beiden Tagen nicht in Verwendung war, stattdessen aber in Sitalike vergessen wurde und dort bereits einen neuen Besitzer gefunden hat. Doch Jochen ist von seiner Idee mit der diebischen Hyäne nicht abzubringen und durchstreift unermüdlich das Gebüsch. Bald aber muss er seine vergebliche Suchaktion abbrechen – die Elefanten sehen auf einen Morgenimbiss bei uns vorbei. Na gut, dann gibt es jetzt auch bei uns erst mal Frühstück! In aller Ruhe lassen wir uns Kaffee, Toast, Eier und Müsli schmecken und kauen mit den Dickhäutern um die Wette. Nach einer Stunde beenden wir dieses erste Mahl des Tages, spülen das Geschirr und räumen all die kleineren Sachen rund um unsere „Küchenzentrale“ zusammen. Das geht mit wenig Lärm und Gewurstel vonstatten und stört die Elefanten nicht im geringsten. An die Zelte, die etwas tiefer im Busch stehen, trauen wir uns allerdings erst heran, als die grauen Riesen ihren Snack beendet haben und friedlich weiterziehen. Man muss ja nichts provozieren...

Letzter Morgen im Katavi
Die Sonne geht auf
Frühstück, Packen ...











Abschiedsgiraffe


Als schließlich alles abgebaut und verstaut ist, lassen wir einen letzten Blick auf der Suche nach Vergessenem über die Campsite schweifen, gehen nochmal strullern und machen uns dann abreisebereit. „Halt, das Dreibein! Das kann doch nicht so weit weg sein!“ Erneut will Jochen losstapfen und das vermisste Teil suchen. „Jochen, das haben wir bestimmt in Sitalike liegen gelassen! Und wenns doch die Hyäne weggeschleppt hat, dann kann das jetzt sonstwo sein. Das finden wir nie!“ „Na gut, muss ich halt ein neues kaufen. Ist ja heuer erst das vierte Mal!“ „Tststssss, diese bösen Hyänen!“, frotzeln wir belustigt. „Ja, macht euch nur lustig. Kann schon sein, dass ichs ein paar mal nicht eingepackt hab. Übersieht man halt leicht.“, gibt Jochen grummelnd zu und schwingt sich resigniert hinters Steuer. Fröhlich kichernd tuckern wir vom Platz, nehmen Kurs auf die Hippobrücke, winken den Nilpferden einen wehmütigen Abschiedsgruß zu und fügen uns dann unserem Schicksal – ein langer Fahrtag nach Mbeya liegt vor uns. Zunächst geht es noch durch die südlichen Gefilde des Parks, doch außer einer Handvoll Tsetsefliegen gibt es hier nicht viel zu entdecken. Danke Katavi, danke Tsetses, ihr macht mir den Abschied wirklich so leicht wie nur irgend möglich! Doch bald haben wir auch den Park und seine Fliegen hinter uns gelassen und tauchen wieder in die Zivilisation ein. Zunächst in abgeschwächter Form – die Straße führt erst noch eine ganze Weile durch wenig besiedeltes Land und mündet erst bei Kisi (nach ca. 180 Kilometern) auf die B8, die wir ja schon nördlich des Katavi genießen durften. Und natürlich ist alles wie gehabt: der Straßenzustand lässt zu wünschen übrig, der Gegenverkehr wird üppiger und die Anzahl der Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, nimmt zu. Plötzlich aber wird es noch schlimmer, zumindest was den Straßenzustand betrifft. Bagger, Lkws und Planierraupen bauen sich vor uns auf, eine Staubwolke manifestiert sich wie aus dem Nichts und die B8 löst sich über viele, viele Kilometer in eine rumpelige, nur langsam zu befahrende Feldpiste auf. Eine Detoure – die temporäre Umfahrung eines Straßenabschnitt-Neubaus. Endlose Kilometer, gefühlt endlose Stunden holpern wir über diese unsägliche Umgehungsstrecke, immer die neu entstehende Straße, die teilweise schon sehr vielversprechend aussieht, im Blick. Meine Güte, nimmt das heute noch ein Ende? Ziemlich gut durchgerüttelt und völlig genervt erblicken wir plötzlich von einer Hügelkuppe aus – das Ende der Baustelle. Dem Himmel sei Dank! Rasch nutzen wir noch die Gunst der Stunde, sprich den guten Ausblick, und entleeren unsere Blasen, bevor die Detoure wieder auf die B8 führt und kaum noch Möglichkeiten für eine Pinkelpause bietet. Dann geht es weiter; die B8 hat uns wieder.

Langsam, langsam!
Besser wär’s gewesen!
Die Detoure














Und erstaunlicherweise ist sie in sehr gutem Zustand. Ein weitestgehend intakter Teerbelag mit nur wenigen Schlaglöchern bringt uns immer weiter Richtung Süden. Nun aber passieren wir ein Dorf, eine Ansiedlung nach der anderen. Die wenigsten sind in unserer Karte verzeichnet, was jedoch nicht heißt, dass es nicht auch in namenlosen Orten Hindernissen zu überwinden gälte. Vor jedem Kaff, egal, ob da ein Haus steht, oder drei, oder vierzig: Break marker und unterbodengefährdende Speed Bumps bremsen den Verkehr runter – prrrrrhrrrt, prrrrhrrrt, prrrrhrrrrt, kadunck, kadunckkadunkck, kadunck, prrrrhrrrt, prrrrhrrrt. Erst wird man von zahlreichen Teer-Rippen lautstark daran erinnert, die Geschwindigkeit zu reduzieren, dann holpert man schlagend über mehr oder weniger hohe, halbrunde, willkürlich gestaltete Asphaltwälle, um anschließend erneut in den Genuss waschbrettartig angeordneter Teerspaghetti zu kommen, die den geneigten Autofahrer daran erinnern sollen, das verminderte Tempo beizubehalten. Eine gute Sache eigentlich, denn sie dient dem Schutz der hier ansässigen Bevölkerung. Der positive Aspekt dieser geschwindigkeitsreduzierenden Konstruktionen jedoch wird ad absurdum geführt, indem sie jeweils nur am Ortseingang zu finden sind, nie aber an dessen Ende. Und das bedeutet: an besagten Stellen brettert uns der Gegenverkehr ungehindert auf unserer Spur entgegen, die Humps, Bumps und Rippel nonchalant umfahrend. Wir haben ordentlich zu tun, unsere Stoßdämpfer vor größerem Schaden zu bewahren – obwohl wir vorschriftsmäßig und brav fahren - und uns gleichzeitig vor Frontalzusammenstößen in Acht zu nehmen – weil die anderen eben nicht vorschriftsmäßig und brav unterwegs sind. Es ist anstrengend und ermüdend, besonders für Jochen und Annette als Fahrer, aber auch für uns Beifahrer. So ermüdend, dass Jochen irgendwann, einige Kilometer vor Sumbawanga, einem größeren Ort, die Bremse reinhaut und kurz Pause machen will. Wir alle atmen auf und freuen uns über diesen kleinen Moment des Verschnaufens. Stehen, gehen, Füße vertreten, Gliedmaßen zurechtschütteln – und nebenbei noch die örtliche Botanik unter die Lupe nehmen... Hui, hier wuchert Thunbergia, die aus unseren Sommer-Blumenampeln allseits bekannte Schwarzäugige Susanne einfach so, wild, am Straßenrand, seltsam knorrige, blätterlose Bäume recken ihre Äste gen Himmel und verzaubern uns mit medusenhauptartig verzweigten, fingerigen Blütenwürsten, die aus den kahlen Astgabeln tentakeln, weiter vorne auf der Wiese wachsen maisgelbe, wachsartige, in dichten Kugeln arrangierte Blüten auf den Spitzen mäßig belaubter Stängel. Und da hinten, was ist das? „Können wir weiter?“, kräht Jochen, der gerade seine Zigarette ausgeraucht und den ausgedrückten Stummel im Auto entsorgt hat. „Unbedingt, ich muss noch heute zu ’ner Bank!“, antwortet Annette – und schon sitzen wir erneut in unseren Blechkisten und rumpeln weiter über die B8.

















Cussonia arborea
Gnidia kraussiana
Thunbergia alata













Dann erreichen wir Sumbawanga, einen quirligen Ort, der sich über Kilometer auf beiden Seiten der Straße entlangzieht und mit zahlreichen Geschäften aufwartet. Geschäfte, wie sie bunter und interessanter nicht sein könnten. Elektroartikel, Lebensmittel, Getränke, Bauzubehör, Möbel, Telefonkarten, Fleischereien, Apotheken, Internetcafes. All diese Shops sind dicht aneinander gereiht und erfreuen uns mit teilweise sehr kreativen und abenteuerlichen Beschriftungen, alle handgemalt, deren Bedeutung sich uns natürlich nicht immer sofort erschließt. Spätestens aber, wenn man die dazugehörigen Zeichnungen, Illustrationen und Gemälde betrachtet, weiß man, womit man es zu tun hat. Es ist ein Eldorado für mich als Werbegrafikerin, doch auch meine Reisefreunde haben eine Mordsfreude, immer wieder Neues zu entdecken. Was wir auch entdecken, sind Unmengen von Wahlplakaten. Sie fielen uns natürlich auch schon vereinzelt auf, als wir nach Tansania einreisten, nun aber sind sie allgegenwärtig. Klar, der Wahlkampf geht in die heiße Phase, in zwei Wochen ist es so weit und die Tansanier wählen einen neuen Präsidenten. Und irgendwie scheint im Vorfeld schon klar zu sein, wer gewinnen wird – achtzig Prozent der Plakate nämlich zeigen einen selbstzufrieden lächelnden Mann namens Magufuli. Er gehört der aktuellen Regierungspartei „Chama cha Mapinduzi“ (CCM) an, der Partei der Revolution, ist Doktor der Chemie und erwarb sich während seiner Amtszeit als Minister für Landwirtschaft und öffentliches Bauwesen bereits recht aussagekräftige Spitznamen: Jembe, die Feldhacke, oder Bulldozer wird er gerne genannt, denn er ist bekannt, einen harten Kurs zu fahren. Sein oberstes Ziel ist, der Korruption in Tansania Einhalt zu gebieten. Das wäre ja ein ehrenvoller und erstrebenswerter Ansatz, doch der Bulldozer, so befürchten viele, wird wohl seine Feldhacke auch in anderen Bereichen zum Einsatz bringen, und so an den Grundlagen der Demokratie kratzen. Das kann ich natürlich nicht wirklich beurteilen, doch irgendwie ist mir der Mann unsympathisch. Wenn man schon Magufuli heißt! Das klingt wie eine Kombination aus „magnificent“ und „powerful“ und somit nicht gerade nach Bescheidenheit. Aber das ist mein ganz persönlicher, von Intuition geprägter Eindruck, der mitnichten aussagekräftig ist. Ein Eindruck, der übrigens noch verstärkt wird. Verstärkt durch die aggressive Wahlwerbung, die nicht nur aus Plakaten an jedem zweiten Baum, an jeder zweiten Hütte besteht, sondern auch akustisch penetriert. Auf der heutigen Fahrt sind uns bereits einige Trecker mit Anhängern und Kleinlaster begegnet, auf deren Ladefläche sich laut gröhlende Menschen befanden, von denen jeweils einer in ein Mikrofon schrie und mittels der auf dem Fahrzeug installierten Lautsprecher die Kunde vom fantastischen, gerechten, großartigen Magufuli in die Runde verkündete. Okay, das ist Wahlwerbung auf afrikanisch, doch Magufulis überdurchschnittlicher Anteil an diesem Getöse ist eben doch ein wenig sehr auffällig. Noch aber heißt es abwarten. In spätestens zwei Wochen wird man sehen, wer gewinnt und nächstes Jahr um die Zeit kann man dann Bilanz ziehen.
















Wir sind übrigens gerade auf der Suche nach einer Bank, als schon wieder so ein blechern tönendes Gespann auf der Hauptstraße Sumbawangas daherkommt. Dröhnend quäkt überlaute Musik aus den Lautsprechern, unterbrochen von der sich geradezu überschlagenden Stimme eines schweißglänzenden Mannes, der in einem viel zu warmen, schwarzen Anzug steckt. Wahlkampf? Nein, diesmal nicht. Diesmal ist es ein Hochzeitszug, wie man an der in tausend Lagen gerüschten Tülls gehüllten Braut erkennen kann. Der Bräutigam sitzt fast verschüchtert neben seiner fröhlich die Arme schwenkenden Angetrauten, die wie Sardinen auf den Anhänger gepackten Gäste johlen und der Anheizer schreit sich die Seele aus dem Leib. Na, alles Gute wünschen wir dem jungen Glück! Während das Gespann mit der unüberhörbaren Fracht an uns vorüberzieht, werden wir endlich fündig – eine Bank. Wir stoppen unsere Autos, rangieren uns auf den Parkplatz des Kreditinstituts, und während wir uns dort die Beine vertreten, eilt Annette in die heiligen Hallen, um etwas Geld abzuheben. Allerdings läuft sie auf ihrem Weg vom Parkplatz zur Bank beinahe dem Hochzeitszug den Rang ab: für diesen heutigen Fahrtag hatte sie sich nämlich in besonders bequeme, luftige Klamotten geworfen, unter anderem in ein extrakurzes T-Shirt-Röckchen, das kaum die obere Hälfte ihrer Schenkel bedeckt. Und dieser kaum nennenswerte Stoffstreifen sorgt nun für mehr oder weniger positive Irritationen seitens der Einheimischen inner- und außerhalb der Umzäunung des bankeigenen Parkplatzes. Von anerkennendem Pfeifen über missbilligendes Kopfschütteln bis hin zu empörtem Zungenschnalzen reichen die Reaktionen. Annette ist peinlich berührt und verschwindet hurtig im Bankgebäude. Puh, hoffentlich bekommt sie in diesem Aufzug das gewünschte Geld und wird nicht vorher wegen mangelnder Schicklichkeit gleich wieder rauskomplimeniert. Doch alles geht gut, Annette verstaut die Kohle, stürzt aus der Bank und hechtet förmlich in ihr Auto. „Shit, daran hatte ich heute Morgen echt nicht gedacht! Peinlich, peinlich!“ Mhm, ja, wäre mir auch peinlich gewesen, aber es ist nun mal, wie es ist. Und nur halb so schlimm, denn schließlich kennt uns hier ja keiner. Doch um weiteren Imageschaden am Bild des weißen Touristen tunlichst zu vermeiden, bleibt Annette bei unserem nächsten Stopp in Sumbawanga vorsichtshalber im Auto. Wir anderen besorgen noch ein paar Softdrinks, baridi, also kalt, für die weitere Fahrt und machen uns dann erneut auf den Weg.
















Sumbawanga, Mbeya, 227 Kilometer. Ist ja nicht mehr so weit, den schlimmsten Teil der Strecke haben wir wohl schon geschafft. Und tatsächlich: wir kommen rasch voran und erreichen gegen halb vier Uhr die ausufernden Vororte der Grenzstadt Tansanias zu Sambia – Tunduma. Doch ab jetzt wird „rasch“ zum Fremdwort. Dichter Lkw- und Pkw-Verkehr, unzählige Bajaji (eine Art überdachter Motor-Rikschas), schwer bepackte Straßenhändler, die sich zwischen den Fahrzeugen durchwinden, und wuselnde Fußgänger verstopfen zunehmend die Fahrbahn. Sie alle sind Teil des florierenden Treibens und Handels in dieser Grenzstadt, die, fast wie Kampala, etwas Molochartiges an sich hat. Dabei hat Tunduma nur etwa 45000 Einwohner, also einen Bruchteil dessen, was andere Städte zu bieten haben, und ist somit fernab vom Titel einer Großstadt. Doch das Gewimmel, in das wir uns nun stürzen müssen, steht dem einer Millionenstadt in nichts nach. Und je dichter wir uns an den Verursacher dieses Übels, den Grenzübergang, herantasten, desto schlimmer wird es. Lange noch vergnügen wir Passagiere uns mit der Vielfalt an Geschäften und dem bunten Gewimmel der Menschen auf den Straßen, während Jochen und Annette am Steuer unserer Autos schon eine Weile Blut und Wasser schwitzen, dann aber bricht auch uns der Schweiß aus. Wir haben die Abzweigung zur Grenze passiert, schwenken nun gen Osten, auf die Piste nach Mbeya und ab da bricht der blanke Verkehrshorror aus. Auf der Gegenspur stauen sich über Kilometer schwerbeladene Lkws, Stoßstange an Stoßstange, Fahrerhaus an Anhänger, auf unserer Spur bewegen sich vorwiegend Pkws im Zeitlupentempo voran – und in der schmalen Lücke zwischen den beiden Fahrbahnstreifen versucht alles andere an Fahrzeugen, das diesen Namen verdient (oder auch nicht), ein Durchkommen zu finden. Außenspiegel schrappen fast hörbar aneinander, es wird gehupt, geschrien, geschimpft, immer wieder kommt das Geschnecke zum Erliegen, weil ein paar Wahnsinnige glauben, man könne auch auf der engen Zwischengasse noch eine zweite Spur eröffnen. Nö, geht nicht! Okay, dann wird eben auf den Seitenstreifen ausgewichen, ohne Rücksicht auf Verluste durch minimale Lücken gedrängt, manövriert, und ein anderer Ausweg gesucht. Und es gibt fast immer einen, sei er auch noch so klein! Natürlich gehen diese Drängelaktionen nicht ohne lautstarkes Gehupe und Geschrei vonstatten – besonders ungeduldige Fahrer, Beifahrer und Passagiere brüllen auf die Fahrer, Beifahrer und Passagiere ein, die vermeintlich im Weg stehen und umgekehrt. Am Straßenrand versuchen kleine Händler ihre Waren loszuwerden und plärren gegen diesen Lärm an. Es ist der reine Wahnsinn und macht es Annette und Jochen nicht unbedingt einfacher, sich auf den aberwitzigen Verkehr zu konzentrieren. Irgendwann aber haben wir es dann doch geschafft. Das Gedränge entknotet sich zusehends, alle Fahrzeuge nutzen wieder die beiden, zum Fahren vorgesehenen Spuren und die Gesamtlage wird immer übersichtlicher, je weiter wir aus der Stand herauskommen. Puh, jetzt sind es nur noch rund 100 Kilometer bis Mbeya; und die hoffen wir rasch hinter uns bringen zu können. Was auch gelingt. Nun gut, einen kleinen Hänger haben wir noch: zirka auf der Hälfte der Strecke bewegt sich die Straße eine kleine Anhöhe hinunter. Eine Art gemäßigter Passstraße schlängelt sich in großzügigen Kurven nach unten und alles wäre wunderbar, gäbe es da nicht einige Faktoren, die den Zustand des Teerbelags massiv zu seinem Nachteil verändert hätten. Erstens: es ist eine von Chinesen gebaute Straße, deren Halbwertszeit aufgrund ihrer Konstruktion und der verwendeten Materialien deutlich kürzer ist, als man es durchschnittlich gewohnt ist. Sorry, Chinesen, aber das muss auch mal gesagt werden! Zweitens: die Route liegt an einer Hügelflanke, die von morgens bis abends in der prallen Sonne liegt, beschattenden Bäume - Fehlanzeige. Drittens: es handelt sich um die einzig nennenswerte Verbindungsstrecke zum Nachbarland Sambia. Folglich ackern hier Tag und Nacht schwer beladene Lkws rauf und runter – die tiefe Furchen in die chinesische, mit butterweichem, sonnendurchglühtem Teer bedeckte Fahrbahn gefräst haben. Schätzungsweise bis zu 30 Zentimeter ragen neben und zwischen unseren Reifen nach oben, was ein Überholen unmöglich macht. Und das bedeutet: Geduld aufbringen und nicht zu tief atmen, denn die hiesigen Laster rußen zumeist wie eine in die Jahre gekommene Diesellok. Doch immerhin haben wir das Glück, uns nach unten zu bewegen; die Schwerkraft ist auf unserer und unseres Vordermanns Seite. Wehe dem, der diese Strecke nach oben muss... Annette und Jochen steht genau dieses Abenteuer in wenigen Tagen bevor und wir können uns lebhaft vorstellen, wie sehr sie sich darauf „freuen“.
















Aber, wie gesagt: wir Glückspilze kurven heute nach unten und bringen auch dieses Wegstück den Umständen entsprechend zügig hinter uns, sodass wir tatsächlich zur Abenddämmerung in unserem heutigen Nachtquartier einlaufen, dem Ifisi Community Centre. Am Stadtrand gelegen, nur rund sieben Kilometer vom Flughafen entfernt, bietet dieses, von der evangelischen Kirche betriebene Etablissement dem geneigten Reisenden einfache, saubere Unterkunftsmöglichkeiten zu akzeptablen Preisen. Erleichtert, endlich hier angekommen zu sein, klettern wir etwas sitzsteif aus unseren Autos, melden uns an, werfen unser Gepäck in die Bungalowzimmer, deren Terrassen auf auf einen schattigen, begrünten Innenhof hinausführen und treffen uns anschließend auf der Hauptterrasse vor dem Restaurant des ICC. Aaah, jetzt ein kühles Getränk, ein bisschen was essen und dann ab ins Bett!


Weitere Impressionen des Tages:














































































































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